Abnehmen mit Nanotech-Pflaster – funktioniert das?

Viele Millionen Deutsche gelten als übergewichtig oder werden sogar als fettleibig eingestuft. Innerhalb der letzten zehn Jahren hat sich der Anteil der Bevölkerung, die hierzulande als übergewichtig bezeichnet wird, je nach Mann oder Frau auf bis zu 60 Prozent erhöht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass manche Menschen nach jedem Strohhalm greifen, wenn es darum geht, abzunehmen. Hunderte Diäten werden am Markt angeboten, von denen die meisten Wissenschaftler allerdings behaupten, dass sie auf Dauer nicht zu einem kontinuierlichen Gewichtsverlust führen können. Stattdessen wird fast immer eine Ernährungsumstellung empfohlen, die am besten in Kombination mit regelmäßigem Sport und einer ansonsten gesunde Lebensweise wirken kann. Jetzt gibt es eventuell neue Hoffnung für Übergewichtige, die mit ihren bisherigen Methoden noch keinen Erfolg hatten, nämlich ein neuartiges Nanotech-Pflaster.

Versuche an Mäusen waren bereits erfolgreich

In nahezu regelmäßigen Abständen werden neue Methoden entworfen, mit denen Menschen abnehmen können bzw. die zumindest das Versprechen geben, dass die Fettverbrennung unterstützt wird. Eine dieser neuen Methoden könnte ein Nanotech-Pflaster sein, welches zukünftig eventuell dabei hilft, Pfunde zu verlieren. Der Versuch an Mäusen war bereits erfolgreich. Die Forscher konnten in dem Zusammenhang feststellen, dass das entwickelte Nanotech-Pflaster dazu in der Lage ist, sogenanntes weißes Speicherfett im Körper umzuwandeln, und zwar in braunes Fett, welches verbrennungsfähig ist. Sollte dieses Nanotech-Pflaster tatsächlich bei Menschen funktionieren, könnte es sich dabei um eine Art Revolution handeln. Es wäre dann nämlich möglich, ohne Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel und sportliche Betätigung abzunehmen.

Welche Ergebnisse lieferte der Versuch an Mäusen?

Die Versuchsanordnung war zunächst einmal so, dass ein spezielles Medikament entwickelt wurde, welches in Nanopartikeln eingeschlossen wurde. Die Verabreichung fand über ein Pflaster statt, mit welchem die Mäuse ausgestattet wurden. Im Ergebnis konnten die Forscher von der Columbia Universität in New York sowie der University of North Carolina feststellen, dass die Mäuse, die das Pflaster erhielten, Gewicht verloren, ohne dabei auf die gewohnte Nahrung verzichten zu müssen. Im Detail konnten die Forscher belegen, dass die Gewichtsreduktion darauf zurückzuführen ist, dass eine Umwandlung von weißem in braunes Fett stattfand, welches als verbrennungsfähig gilt. Umgangssprachlich wird dieses braune Fett übrigens auch als Babyspeck bezeichnet, welches in der Natur tatsächlich nahezu ausschließlich Babys im Alter von bis zu zwei Jahren besitzen.

Nanotech-Pflaster hilft beim Abnehmen

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Ähnliche Substanzen führen bisher zu deutlichen Nebenwirkungen

Die Substanz, welche das Nanopflaster enthält und die dazu beiträgt, dass eine Umwandlung von weißem Speicherfett in braunes Verbrennungsfett stattfindet, ist in ähnlicher Form nicht ganz unbekannt und wurde in der Vergangenheit bereits an anderer Stelle eingesetzt. Dies geschah meistens in Form von Injektionen oder durch Tabletten, sodass auch in diesem Fall eine Substanz verabreicht wurde, die eine Fettumwandlung durchführen konnte. Allerdings besteht das Problem darin, dass es bei diesen Substanzen bisher fast immer nicht unerheblichen Nebenwirkungen gab, wie zum Beispiel:

  • Übelkeit
  • Erhöhte Knochenbrüchigkeit
  • Kopfschmerzen

Neu an der Studie mit dem besagten Nanotech-Pflaster ist hingegen, dass keine solchen oder anderen Nebenwirkungen festgestellt werden konnten. Der große Unterschied zu den bisher verwendeten ähnlichen Substanzen und Verabreichungsformen besteht darin, dass das Medikament in Nanopartikeln eingeschlossen ist, die zum einen lediglich einen Durchmesser von knapp 250 Nanometern haben, zum anderen aber auch gezielt dort eingesetzt werden, wo Fett reduziert werden soll. Konkret heißt das, wenn Sie beispielsweise an der Hüfte Fett verlieren möchte, kleben Sie das Nanotech-Pflaster exakt an dieser Stelle auf und nur dort würde die Wirkung entfaltet werden. Daher ist es wahrscheinlich, dass nicht mit typischen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Weiterentwicklung zur Behandlung von Diabetes?

Das genannte Nanotech-Pflaster könnte allerdings nicht nur zu einem Durchbruch im Bereich des Ablebens führen, sondern möglicherweise in Form einer Weiterentwicklung dabei helfen, Diabetes-Patienten wirkungsvoller zu behandeln. Die Forscher konnten nämlich feststellen, dass nach einer vierwöchigen Behandlung mit dem Nanotech-Pflaster nicht nur der Fettanteil an den Körperstellen, an denen das Pflaster aufgeklebt wurde, deutlich zurückging. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler ebenfalls einen massiven Rückgang der Blutzuckerwerte fest. Daher haben die Forscher nun die Hoffnung, dass die bisher verwendete Methode etwas weiter entwickelt werden kann, sodass sie irgendwann dazu dient, eine effektivere Behandlung von Diabetes durchzuführen. Darüber hinaus könnten die Nanotech-Pflaster aber auch noch bei anderen Behandlungen eingesetzt werden, zumindest sind die bisherigen Ergebnisse vielversprechend, wie zum Beispiel bei:

  • Alternative zu Magenbändern
  • Alternative zum Fett absaugen
  • Alternative zu Magenverkleinerungen

Diese zuvor genannten Methoden, die heutzutage noch häufig verwendet werden, um deutlich übergewichtige Menschen zum Fett verlieren zu führen, haben allesamt gemeinsam, dass es sich um Operationen handelt. Somit besteht ein nicht unerhebliches Risiko, welches nach jetzigem Kenntnisstand bei dem Nanotech-Pflaster als Alternative nicht vorhanden wäre.

Bisher nur ein wirksamer und diverse verbotene Appetitzügler

Bisher ist hierzulande Orlistat als einziger Wirkstoff zugelassen, der in den Bereich der sogenannten Appetitzügler fällt. Dieses Medikament bewirkt, dass Nahrungsfette unverändert ausgeschieden werden, hat allerdings auch eine nicht unerhebliche Nebenwirkung, nämlich einen möglichen schweren Vitaminmangel. Dieser kann insbesondere dann auftreten, wenn das Arzneimittel langfristig eingenommen wird. Vertrieben wird der Wirkstoff Orlistat im Medikament Xenical, welches offiziell zugelassen ist. Aufgrund des Vitaminmangels als mögliche Nebenwirkung wäre das Nanotech-Pflaster auch in diesem Fall eventuell eine sehr gute Alternative.

Neue Studien: Übergewicht ist nicht immer negativ

Bis vor geraumer Zeit waren die meisten Mediziner und Wissenschafter der Auffassung, dass man Übergewicht möglichst vermeiden sollte. Dieses wirke sich insbesondere negativ auf Blutdruck, Herzkreislauf und Diabetes aus. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Erkrankungen, die zumindest durch ein bestimmtes Übergewicht oder gar Fettleibigkeit begünstigt werden. Mittlerweile gibt es allerdings einige neuere Studien, die dazu führen, dass immer mehr Mediziner und Forscher zu Bedenken geben, dass nicht jede Form von Übergewicht negativ sein muss. Einige Studien kommen beispielsweise zu dem Ergebnis, dass ein leichtes Übergewicht sogar das Risiko senken kann, an Demenz zu erkranken. Zum Teil scheint die Lebenserwartung leicht übergewichtiger Menschen sogar höher als die von unter- oder normalgewichtigen Personen zu sein. Auf der anderen Seite bleibt ein deutliches Übergewicht natürlich nach wie vor eher negativ, denn die bereits angesprochenen Volkskrankheiten sind insbesondere bei Menschen festzustellen, die Gewichtsprobleme haben. Es kommt also sicherlich wie so oft auf das „Maß“ an Übergewicht an, ob Sie etwas dagegen unternehmen sollten oder nicht.

 

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