Acomplia

➡️ Wirkstoff, Verbot und Alternativen ⬇️

Acomplia war einmal die große Hoffnung der Adipositas-Medizin. Eine Tablette, die im Gehirn genau dort ansetzt, wo Heißhunger entsteht, ohne Spritze und ohne die typischen Fettblocker-Beschwerden. Zwischen Zulassung und Marktrücknahme lagen am Ende gerade einmal zweieinhalb Jahre.

Das Aus kam nicht wegen einer falschen Dosierung oder einer zu langen Anwendung. Es war der Wirkmechanismus selbst, der sich als Problem herausstellte, denn dasselbe Signalsystem im Gehirn, das den Appetit steuert, reguliert auch Stimmung und Antrieb.

Trotzdem taucht der Name bis heute in Suchanfragen und in dubiosen Online-Shops auf. Hier steht, was hinter dem Wirkstoff Rimonabant steckte, warum er verschwunden ist und welche Präparate an seiner Stelle stehen.

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Aktualisiert: 15. August 2026

Autor: Jörg Keller

Selbstständiger Autor und Sportler. Hat sich von Fett (120 kg) zu Fit (80 kg) gewandelt.

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    Acomplia mit Rimonabant, Packung mit rotem Sperrsymbol und Hinweis auf die Marktrücknahme 2008

    Alles in Kürze

    • Acomplia enthielt den Wirkstoff Rimonabant und blockierte im Gehirn die Cannabinoid-Rezeptoren vom Subtyp CB1.
    • Zugelassen war das Präparat in der EU von Juni 2006 bis zur endgültigen Rücknahme im Januar 2009.
    • Ausschlaggebend für das Aus war ein etwa verdoppeltes Risiko für schwere psychiatrische Störungen wie Depression, Angst und Aggression.
    • An seine Stelle sind heute GLP-1-Präparate getreten, dazu Mysimba, Orlistat und die neue Wegovy Tablette.

    Häufige Fragen zu Acomplia

    Was war Acomplia genau?
    Ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Gewichtsreduktion mit dem Wirkstoff Rimonabant. Es griff als erster CB1-Rezeptorblocker in das körpereigene Endocannabinoid-System ein und dämpfte darüber den Appetit.
    Warum wurde Acomplia verboten?
    Unter Rimonabant traten psychiatrische Störungen etwa doppelt so häufig auf wie unter Placebo. Zwischen Juni und August 2008 wurden allein in laufenden Studien fünf Suizide unter Acomplia gemeldet, unter Placebo einer.
    Wo gibt es Acomplia heute noch?
    In keiner Apotheke der Welt auf legalem Weg. Die EU-Zulassung wurde am 16. Januar 2009 endgültig zurückgenommen, in den USA gab es nie eine, und auch anderswo ist Rimonabant vom Markt verschwunden.
    Wie viel Gewicht ließ sich mit Acomplia abnehmen?
    In den Zulassungsstudien lag der Unterschied zu Placebo nach einem Jahr bei etwa fünf Kilogramm. Der Ausschuss für Humanarzneimittel stufte die Wirksamkeit damit als moderat ein, im Alltag brachen zudem viele Anwender die Behandlung früh ab.
    Was ist heute die beste Alternative zu Acomplia?
    Für die meisten Betroffenen sind das GLP-1-Rezeptoragonisten mit Semaglutid oder Tirzepatid. Sie erreichen deutlich höhere Gewichtsverluste und haben kein vergleichbares psychiatrisches Risikoprofil.
    Gibt es Rimonabant noch in anderen Ländern?
    Nein. Sanofi-Aventis hat Ende 2008 sämtliche klinischen Studien zu Rimonabant weltweit eingestellt und die Zulassung freiwillig zurückgegeben. Damit endete die Substanz als Arzneimittel vollständig.

    Acomplia Wirkstoff Rimonabant

    Rimonabant war kein klassischer Appetitzügler und kein Fettblocker. Die Substanz griff in das körpereigene Endocannabinoid-System ein, also in genau jenes Signalsystem, an dem auch die Inhaltsstoffe von Cannabis andocken.

    CB1-Rezeptoren und Appetit

    Der Wirkstoff blockierte die Cannabinoid-Rezeptoren vom Subtyp CB1. Wer den appetitanregenden Effekt von Cannabis kennt, versteht die Idee sofort, denn Rimonabant drehte diesen Mechanismus schlicht um.

    Entwickelt wurde die Substanz ursprünglich gar nicht zum Abnehmen, sondern zur Raucherentwöhnung. Erst im Verlauf der Forschung rückte die Gewichtsreduktion in den Vordergrund, weil das CB1-System auch Hunger und Belohnungsverhalten steuert.

    Acomplia Anwendung und Dosierung

    Verordnet wurde eine Tablette mit 20 mg Rimonabant täglich, ergänzend zu Ernährungsumstellung und Bewegung. Indiziert war das Mittel bei einem BMI ab 30 sowie ab 27, wenn Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes oder erhöhte Blutfette vorlagen.

    Anders als die damals üblichen Appetitzügler war Acomplia auf Dauereinnahme angelegt und nicht auf wenige Wochen begrenzt. Genau diese Notwendigkeit einer Langzeittherapie stand von Beginn an in der Kritik, weil belastbare Langzeitdaten fehlten.

    Acomplia Wirksamkeit in Studien

    Nach einem Jahr Behandlung lag der Gewichtsunterschied zu Placebo bei ungefähr fünf Kilogramm. Zusätzlich zeigten sich günstige Effekte auf Blutfette und Blutzuckerkontrolle.

    Bei der Neubewertung fiel jedoch auf, dass die Realität hinter den Studien zurückblieb. Anwender beendeten die Therapie im Alltag deutlich früher als in den kontrollierten Untersuchungen, und einen Nachweis für einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es nicht.

    Acomplia Nebenwirkungen und Suizidrisiko

    Das Endocannabinoid-System reguliert nicht nur Hunger. Es beeinflusst ebenso Stimmung, Angstverarbeitung und Impulskontrolle, und genau hier lag das Problem der Substanz.

    Depression und Angststörungen

    Unter Rimonabant traten Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände und Aggressionen etwa doppelt so häufig auf wie unter Placebo. Die 2007 eingeführten Gegenanzeigen sollten das eindämmen.

    Das funktionierte nur begrenzt. Der Ausschuss für Humanarzneimittel stellte fest, dass Menschen unter Antidepressiva das Mittel weiterhin verordnet bekamen und sich gefährdete Anwender vorab nicht zuverlässig erkennen ließen. Weitere Einschränkungen hätten das Risiko nicht auf ein vertretbares Maß gesenkt.

    Suizidfälle in Studien

    Den Ausschlag gaben die Meldungen aus laufenden Untersuchungen. Zwischen Juni und August 2008 kam es unter rund 36.000 Studienteilnehmern zu fünf Suiziden unter Acomplia gegenüber einem unter Placebo.

    Bei einem Mittel, das überwiegend körperlich gesunden Menschen zur Gewichtsreduktion gegeben wird, ist ein solches Signal nicht hinnehmbar. Der Nutzen wog die Risiken damit nicht mehr auf.

    FDA Ablehnung 2007

    In den Vereinigten Staaten kam es nie so weit. Am 13. Juni 2007 stimmte das Beratergremium der FDA einstimmig gegen eine Zulassung, ausdrücklich wegen des Suizidrisikos, und die Behörde lehnte den Antrag kurz darauf formal ab.

    Europa hielt zu diesem Zeitpunkt noch an der Zulassung fest und reagierte erst gut anderthalb Jahre später. Diese Differenz zwischen beiden Behörden gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel für die Bewertung von Abnehmmitteln.

    Warnung: Wer eine Vorgeschichte mit Depressionen oder Angsterkrankungen hat, sollte von Substanzen mit Wirkung auf das Belohnungssystem grundsätzlich Abstand nehmen, solange sie nicht ärztlich begleitet werden. Das gilt auch für heute zugelassene Präparate.

    Acomplia Marktrücknahme 2008

    Am 19. Juni 2006 erteilte die Europäische Kommission die EU-weite Zulassung. Kritik gab es von Anfang an, weil die Entscheidung ohne Langzeitdaten fiel und offene Sicherheitsfragen in ein nachgelagertes Pharmakovigilanz-Programm verschoben wurden.

    Bereits im Juli 2007 folgte ein Rote-Hand-Brief zu gehäuften Depressionsmeldungen, verbunden mit einer Gegenanzeige für Menschen mit Depression und für Anwender von Antidepressiva. Ein Jahr später lagen neue Daten aus laufenden Studien und aus der Anwendungsbeobachtung vor.

    Am 23. Oktober 2008 empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel, die Zulassung ruhen zu lassen. Sanofi-Aventis kündigte noch am selben Tag an, die Vermarktung einzustellen, das BfArM riet Ärzten von weiteren Verordnungen ab. Zum 13. November 2008 ruhte der Vertrieb in allen betroffenen Mitgliedsstaaten.

    Der Rest ging schnell. Am 5. Dezember 2008 verzichtete der Hersteller freiwillig auf die Zulassung, weil das gesamte Studienprogramm beendet worden war und keine neuen Sicherheitsdaten mehr zu erwarten waren. Am 16. Januar 2009 zog die Europäische Kommission die Zulassung endgültig zurück.

    Gut zu wissen: Acomplia steht in einer längeren Reihe. Auch Reductil mit Sibutramin und die amfepramonhaltigen Präparate Regenon und Tenuate Retard mussten nach Jahren am Markt wieder verschwinden.

    Acomplia kaufen

    Kaum ein anderes Abnehmmittel hat im Netz eine so hartnäckige Zweitkarriere wie Acomplia. Der Name steht bis heute auf Bestellseiten, obwohl seit über fünfzehn Jahren kein einziges legales Herstellungsband mehr läuft.

    Acomplia rezeptfrei bestellen

    Acomplia war zu seiner Marktzeit streng verschreibungspflichtig und ist heute überhaupt nicht mehr verkehrsfähig. Die Anbieter sitzen meist außerhalb der EU und werben mit angeblichem Generikaversand.

    Nach § 73 Arzneimittelgesetz ist die Einfuhr nicht zugelassener Arzneimittel verboten, und bei einer zurückgenommenen Zulassung greift dieses Verbot ohne Ausnahme. Anders sieht es aus, wenn ein zugelassenes Präparat mit gültigem Rezept bei einer regulierten EU-Versandapotheke bezogen wird, denn dort bleibt die Verschreibungspflicht vollständig erhalten.

    Fälschungen ohne Wirkstoff

    Da Rimonabant nirgends mehr regulär produziert wird, kann das, was ankommt, praktisch alles enthalten. Untersuchungen beschlagnahmter Schlankheitsmittel fanden in der Vergangenheit Sibutramin, Amfetaminderivate oder gar keinen Wirkstoff.

    Der ehrliche Blick lohnt sich an dieser Stelle. Selbst echte Originalware wäre keine gute Nachricht, weil die Gründe für die Rücknahme im Wirkstoff selbst liegen und nicht in einer einzelnen Herstellungscharge.

    Acomplia Alternativen heute

    Seit dem Marktrückzug hat sich in der Adipositas-Therapie mehr getan als in den dreißig Jahren davor. Was Acomplia versprochen hat, nämlich eine spürbare Gewichtsreduktion über einen Eingriff in die Appetitregulation, lösen heute andere Präparate ein, und zwar mit einem völlig anderen Sicherheitsprofil.

    Abnehmspritzen mit GLP-1

    Semaglutid und Tirzepatid ahmen körpereigene Darmhormone nach, die nach dem Essen ausgeschüttet werden. Sie wirken auf Sättigung und Magenentleerung, ohne das Endocannabinoid-System zu blockieren.

    Die erreichbaren Gewichtsverluste liegen weit über dem, was Rimonabant je geschafft hat. Eine Gegenüberstellung der Präparate findest du bei den Abnehmspritzen im Überblick und im direkten Vergleich von Wegovy und Mounjaro.

    Wegovy Tabletten ohne Spritze

    Die EU-Kommission hat die Wegovy Tablette mit 25 mg Semaglutid am 15. Juli 2026 zugelassen, der deutsche Marktstart ist für September angesetzt. Damit steht erstmals eine orale Variante bereit, die genau die Zielgruppe anspricht, für die Acomplia damals gedacht war.

    In der Studie OASIS 4 verloren Teilnehmer bei durchgehender Einnahme im Mittel rund 17 Prozent Körpergewicht. Details stehen unter Wegovy Spritze oder Tabletten sowie unter Wegovy Tabletten ohne Rezept.

    Mysimba mit Naltrexon und Bupropion

    Wer den Ansatz über das Gehirn sucht, findet ihn bei Mysimba. Die Kombination aus Naltrexon und Bupropion wirkt auf Sättigungszentrum und Belohnungssystem und ist in der EU regulär zugelassen.

    Auch hier gelten psychiatrische Vorsichtsmaßnahmen, weshalb eine ärztliche Vorabklärung dazugehört. Der Unterschied zu Acomplia liegt darin, dass die Risiken bekannt, benannt und über die Zulassung eingehegt sind.

    Orlistat als Fettblocker

    Ganz ohne Wirkung auf das Nervensystem arbeitet Xenical mit dem Wirkstoff Orlistat. Das Präparat hemmt im Darm die Fettverdauung, sodass ein Teil des Nahrungsfetts unverdaut ausgeschieden wird.

    Der Effekt fällt schwächer aus als bei den GLP-1-Präparaten, dafür bleibt die Substanz lokal im Darm und belastet die Psyche nicht. Für Menschen mit psychiatrischer Vorgeschichte ist das oft die verträglichere Option.

    Alternativen im Vergleich

    Präparat Angriffspunkt Status Anwendung
    Acomplia (Rimonabant) CB1-Rezeptoren im Gehirn Zulassung zurückgenommen Nicht mehr verfügbar
    Semaglutid, Tirzepatid GLP-1-Rezeptoren, Sättigung Zugelassen, rezeptpflichtig Injektion, wöchentlich
    Wegovy Tablette 25 mg GLP-1-Rezeptoren, Sättigung Neu zugelassen, rezeptpflichtig Tablette, täglich
    Mysimba Belohnungssystem, Sättigung Zugelassen, rezeptpflichtig Tablette, einschleichend
    Xenical (Orlistat) Fettverdauung im Darm Zugelassen, teils rezeptfrei Kapsel zu den Mahlzeiten

    Auffällig ist die Verschiebung des Angriffspunkts. Acomplia setzte mitten im Belohnungssystem an und griff damit tief in die Psyche ein, während die heutigen Präparate über Verdauung und Sättigungshormone arbeiten. Eine vollständige Übersicht bietet unsere Seite zu den wirksamsten Abnehmmedikamenten.

    Hinweis: Die Forschung an weiteren oralen Präparaten läuft weiter. Substanzen wie Aleniglipron und Retatrutide befinden sich in fortgeschrittenen Studienphasen, sind aber bislang nicht zugelassen.

    Zusammenfassung

    Acomplia ist Geschichte, und zwar seit dem 16. Januar 2009. Nach nur zweieinhalb Jahren am europäischen Markt zog die EU-Kommission die Zulassung zurück, nachdem der Hersteller im Dezember 2008 freiwillig verzichtet und sämtliche Studien beendet hatte. Der Grund war ein etwa verdoppeltes Risiko für schwere psychiatrische Störungen bis hin zu Suiziden.

    Der Fall zeigt, wie eng Appetitregulation und Psyche im Gehirn beieinanderliegen. Wer das CB1-System blockiert, dämpft nicht nur den Hunger, sondern greift zugleich in Stimmung und Antrieb ein. Die FDA hatte diese Konsequenz bereits 2007 gezogen und die Zulassung von vornherein verweigert.

    Für die eigentliche Frage nach dem Gewicht gibt es heute deutlich bessere Antworten als damals. GLP-1-Präparate erreichen zweistellige Gewichtsverluste, mit der Wegovy Tablette kommt eine orale Variante dazu, und mit Mysimba sowie Orlistat stehen zwei weitere zugelassene Optionen bereit. Wer damals auf Acomplia gehofft hat, findet heute mehr, als das Präparat je halten konnte.

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    Quellen:

    Alles in Kürze

    • Acomplia enthielt den Wirkstoff Rimonabant und blockierte im Gehirn die Cannabinoid-Rezeptoren vom Subtyp CB1.
    • Zugelassen war das Präparat in der EU von Juni 2006 bis zur endgültigen Rücknahme im Januar 2009.
    • Ausschlaggebend für das Aus war ein etwa verdoppeltes Risiko für schwere psychiatrische Störungen wie Depression, Angst und Aggression.
    • An seine Stelle sind heute GLP-1-Präparate getreten, dazu Mysimba, Orlistat und ab September 2026 die Wegovy Tablette.

    Häufige Fragen zu Acomplia

    Was war Acomplia genau?
    Ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Gewichtsreduktion mit dem Wirkstoff Rimonabant. Es griff als erster CB1-Rezeptorblocker in das körpereigene Endocannabinoid-System ein und dämpfte darüber den Appetit.
    Warum wurde Acomplia verboten?
    Unter Rimonabant traten psychiatrische Störungen etwa doppelt so häufig auf wie unter Placebo. Zwischen Juni und August 2008 wurden allein in laufenden Studien fünf Suizide unter Acomplia gemeldet, unter Placebo einer.
    Wo gibt es Acomplia heute noch?
    In keiner Apotheke der Welt auf legalem Weg. Die EU-Zulassung wurde am 16. Januar 2009 endgültig zurückgenommen, in den USA gab es nie eine, und auch anderswo ist Rimonabant vom Markt verschwunden.
    Wie viel Gewicht ließ sich mit Acomplia abnehmen?
    In den Zulassungsstudien lag der Unterschied zu Placebo nach einem Jahr bei etwa fünf Kilogramm. Der Ausschuss für Humanarzneimittel stufte die Wirksamkeit damit als moderat ein, im Alltag brachen zudem viele Anwender die Behandlung früh ab.
    Was ist heute die beste Alternative zu Acomplia?
    Für die meisten Betroffenen sind das GLP-1-Rezeptoragonisten mit Semaglutid oder Tirzepatid. Sie erreichen deutlich höhere Gewichtsverluste und haben kein vergleichbares psychiatrisches Risikoprofil.
    Gibt es Rimonabant noch in anderen Ländern?
    Nein. Sanofi-Aventis hat Ende 2008 sämtliche klinischen Studien zu Rimonabant weltweit eingestellt und die Zulassung freiwillig zurückgegeben. Damit endete die Substanz als Arzneimittel vollständig.

    Acomplia Wirkstoff Rimonabant

    Rimonabant war kein klassischer Appetitzügler und kein Fettblocker. Die Substanz griff in das körpereigene Endocannabinoid-System ein, also in genau jenes Signalsystem, an dem auch die Inhaltsstoffe von Cannabis andocken.

    CB1-Rezeptoren und Appetit

    Der Wirkstoff blockierte die Cannabinoid-Rezeptoren vom Subtyp CB1. Wer den appetitanregenden Effekt von Cannabis kennt, versteht die Idee sofort, denn Rimonabant drehte diesen Mechanismus schlicht um.

    Entwickelt wurde die Substanz ursprünglich gar nicht zum Abnehmen, sondern zur Raucherentwöhnung. Erst im Verlauf der Forschung rückte die Gewichtsreduktion in den Vordergrund, weil das CB1-System auch Hunger und Belohnungsverhalten steuert.

    Acomplia Anwendung und Dosierung

    Verordnet wurde eine Tablette mit 20 mg Rimonabant täglich, ergänzend zu Ernährungsumstellung und Bewegung. Indiziert war das Mittel bei einem BMI ab 30 sowie ab 27, wenn Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes oder erhöhte Blutfette vorlagen.

    Anders als die damals üblichen Appetitzügler war Acomplia auf Dauereinnahme angelegt und nicht auf wenige Wochen begrenzt. Genau diese Notwendigkeit einer Langzeittherapie stand von Beginn an in der Kritik, weil belastbare Langzeitdaten fehlten.

    Acomplia Wirksamkeit in Studien

    Nach einem Jahr Behandlung lag der Gewichtsunterschied zu Placebo bei ungefähr fünf Kilogramm. Zusätzlich zeigten sich günstige Effekte auf Blutfette und Blutzuckerkontrolle.

    Bei der Neubewertung 2008 fiel jedoch auf, dass die Realität hinter den Studien zurückblieb. Anwender beendeten die Therapie im Alltag deutlich früher als in den kontrollierten Untersuchungen, und einen Nachweis für einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es nicht.

    Acomplia Nebenwirkungen und Suizidrisiko

    Das Endocannabinoid-System reguliert nicht nur Hunger. Es beeinflusst ebenso Stimmung, Angstverarbeitung und Impulskontrolle, und genau hier lag das Problem der Substanz.

    Depression und Angststörungen

    Unter Rimonabant traten Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände und Aggressionen etwa doppelt so häufig auf wie unter Placebo. Die 2007 eingeführten Gegenanzeigen sollten das eindämmen.

    Das funktionierte nur begrenzt. Der Ausschuss für Humanarzneimittel stellte 2008 fest, dass Menschen unter Antidepressiva das Mittel weiterhin verordnet bekamen und sich gefährdete Anwender vorab nicht zuverlässig erkennen ließen. Weitere Einschränkungen hätten das Risiko nicht auf ein vertretbares Maß gesenkt.

    Suizidfälle in Studien

    Den Ausschlag gaben die Meldungen aus laufenden Untersuchungen. Zwischen Juni und August 2008 kam es unter rund 36.000 Studienteilnehmern zu fünf Suiziden unter Acomplia gegenüber einem unter Placebo.

    Bei einem Mittel, das überwiegend körperlich gesunden Menschen zur Gewichtsreduktion gegeben wird, ist ein solches Signal nicht hinnehmbar. Der Nutzen wog die Risiken damit nicht mehr auf.

    FDA Ablehnung 2007

    In den Vereinigten Staaten kam es nie so weit. Am 13. Juni 2007 stimmte das Beratergremium der FDA einstimmig gegen eine Zulassung, ausdrücklich wegen des Suizidrisikos, und die Behörde lehnte den Antrag kurz darauf formal ab.

    Europa hielt zu diesem Zeitpunkt noch an der Zulassung fest und reagierte erst gut anderthalb Jahre später. Diese Differenz zwischen beiden Behörden gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel für die Bewertung von Abnehmmitteln.

    Warnung: Wer eine Vorgeschichte mit Depressionen oder Angsterkrankungen hat, sollte von Substanzen mit Wirkung auf das Belohnungssystem grundsätzlich Abstand nehmen, solange sie nicht ärztlich begleitet werden. Das gilt auch für heute zugelassene Präparate.

    Acomplia Marktrücknahme 2008

    Am 19. Juni 2006 erteilte die Europäische Kommission die EU-weite Zulassung. Kritik gab es von Anfang an, weil die Entscheidung ohne Langzeitdaten fiel und offene Sicherheitsfragen in ein nachgelagertes Pharmakovigilanz-Programm verschoben wurden.

    Bereits im Juli 2007 folgte ein Rote-Hand-Brief zu gehäuften Depressionsmeldungen, verbunden mit einer Gegenanzeige für Menschen mit Depression und für Anwender von Antidepressiva. Ein Jahr später lagen neue Daten aus laufenden Studien und aus der Anwendungsbeobachtung vor.

    Am 23. Oktober 2008 empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel, die Zulassung ruhen zu lassen. Sanofi-Aventis kündigte noch am selben Tag an, die Vermarktung einzustellen, das BfArM riet Ärzten von weiteren Verordnungen ab. Zum 13. November 2008 ruhte der Vertrieb in allen betroffenen Mitgliedsstaaten.

    Der Rest ging schnell. Am 5. Dezember 2008 verzichtete der Hersteller freiwillig auf die Zulassung, weil das gesamte Studienprogramm beendet worden war und keine neuen Sicherheitsdaten mehr zu erwarten waren. Am 16. Januar 2009 zog die Europäische Kommission die Zulassung endgültig zurück.

    Gut zu wissen: Acomplia steht in einer längeren Reihe. Auch Reductil mit Sibutramin und die amfepramonhaltigen Präparate Regenon und Tenuate Retard mussten nach Jahren am Markt wieder verschwinden.

    Acomplia kaufen

    Kaum ein anderes Abnehmmittel hat im Netz eine so hartnäckige Zweitkarriere wie Acomplia. Der Name steht bis heute auf Bestellseiten, obwohl seit über fünfzehn Jahren kein einziges legales Herstellungsband mehr läuft.

    Acomplia rezeptfrei bestellen

    Acomplia war zu seiner Marktzeit streng verschreibungspflichtig und ist heute überhaupt nicht mehr verkehrsfähig. Die Anbieter sitzen meist außerhalb der EU und werben mit angeblichem Generikaversand.

    Nach § 73 Arzneimittelgesetz ist die Einfuhr nicht zugelassener Arzneimittel verboten, und bei einer zurückgenommenen Zulassung greift dieses Verbot ohne Ausnahme. Anders sieht es aus, wenn ein zugelassenes Präparat mit gültigem Rezept bei einer regulierten EU-Versandapotheke bezogen wird, denn dort bleibt die Verschreibungspflicht vollständig erhalten.

    Fälschungen ohne Wirkstoff

    Da Rimonabant seit 2009 nirgends mehr regulär produziert wird, kann das, was ankommt, praktisch alles enthalten. Untersuchungen beschlagnahmter Schlankheitsmittel fanden in der Vergangenheit Sibutramin, Amfetaminderivate oder gar keinen Wirkstoff.

    Der ehrliche Blick lohnt sich an dieser Stelle. Selbst echte Originalware wäre keine gute Nachricht, weil die Gründe für die Rücknahme im Wirkstoff selbst liegen und nicht in einer einzelnen Herstellungscharge.

    Acomplia Alternativen 2026

    Seit 2009 hat sich in der Adipositas-Therapie mehr getan als in den dreißig Jahren davor. Was Acomplia versprochen hat, nämlich eine spürbare Gewichtsreduktion über einen Eingriff in die Appetitregulation, lösen heute andere Präparate ein, und zwar mit einem völlig anderen Sicherheitsprofil.

    Abnehmspritzen mit GLP-1

    Semaglutid und Tirzepatid ahmen körpereigene Darmhormone nach, die nach dem Essen ausgeschüttet werden. Sie wirken auf Sättigung und Magenentleerung, ohne das Endocannabinoid-System zu blockieren.

    Die erreichbaren Gewichtsverluste liegen weit über dem, was Rimonabant je geschafft hat. Eine Gegenüberstellung der Präparate findest du bei den Abnehmspritzen im Überblick und im direkten Vergleich von Wegovy und Mounjaro.

    Wegovy Tabletten ab September

    Am 15. Juli 2026 hat die EU-Kommission die Wegovy Tablette mit 25 mg Semaglutid zugelassen. Der Marktstart in Deutschland ist für September 2026 vorgesehen.

    Damit gibt es erstmals eine orale Variante, die genau die Zielgruppe anspricht, für die Acomplia damals gedacht war. In der Studie OASIS 4 verloren Teilnehmer bei durchgehender Einnahme im Mittel rund 17 Prozent Körpergewicht. Details stehen unter Wegovy Spritze oder Tabletten sowie unter Wegovy Tabletten ohne Rezept.

    Mysimba mit Naltrexon und Bupropion

    Wer den Ansatz über das Gehirn sucht, findet ihn bei Mysimba. Die Kombination aus Naltrexon und Bupropion wirkt auf Sättigungszentrum und Belohnungssystem und ist in der EU regulär zugelassen.

    Auch hier gelten psychiatrische Vorsichtsmaßnahmen, weshalb eine ärztliche Vorabklärung dazugehört. Der Unterschied zu Acomplia liegt darin, dass die Risiken bekannt, benannt und über die Zulassung eingehegt sind.

    Orlistat als Fettblocker

    Ganz ohne Wirkung auf das Nervensystem arbeitet Xenical mit dem Wirkstoff Orlistat. Das Präparat hemmt im Darm die Fettverdauung, sodass ein Teil des Nahrungsfetts unverdaut ausgeschieden wird.

    Der Effekt fällt schwächer aus als bei den GLP-1-Präparaten, dafür bleibt die Substanz lokal im Darm und belastet die Psyche nicht. Für Menschen mit psychiatrischer Vorgeschichte ist das oft die verträglichere Option.

    Alternativen im Vergleich

    Präparat Angriffspunkt Status 2026 Anwendung
    Acomplia (Rimonabant) CB1-Rezeptoren im Gehirn Zulassung zurückgenommen Nicht mehr verfügbar
    Semaglutid, Tirzepatid GLP-1-Rezeptoren, Sättigung Zugelassen, rezeptpflichtig Injektion, wöchentlich
    Wegovy Tablette 25 mg GLP-1-Rezeptoren, Sättigung Zugelassen seit Juli 2026 Tablette, täglich
    Mysimba Belohnungssystem, Sättigung Zugelassen, rezeptpflichtig Tablette, einschleichend
    Xenical (Orlistat) Fettverdauung im Darm Zugelassen, teils rezeptfrei Kapsel zu den Mahlzeiten

    Auffällig ist die Verschiebung des Angriffspunkts. Acomplia setzte mitten im Belohnungssystem an und griff damit tief in die Psyche ein, während die heutigen Präparate über Verdauung und Sättigungshormone arbeiten. Eine vollständige Übersicht bietet unsere Seite zu den wirksamsten Abnehmmedikamenten.

    Hinweis: Die Forschung an weiteren oralen Präparaten läuft weiter. Substanzen wie Aleniglipron und Retatrutide befinden sich in fortgeschrittenen Studienphasen, sind aber bislang nicht zugelassen.

    Zusammenfassung

    Acomplia ist Geschichte, und zwar seit dem 16. Januar 2009. Nach nur zweieinhalb Jahren am europäischen Markt zog die EU-Kommission die Zulassung zurück, nachdem der Hersteller im Dezember 2008 freiwillig verzichtet und sämtliche Studien beendet hatte. Der Grund war ein etwa verdoppeltes Risiko für schwere psychiatrische Störungen bis hin zu Suiziden.

    Der Fall zeigt, wie eng Appetitregulation und Psyche im Gehirn beieinanderliegen. Wer das CB1-System blockiert, dämpft nicht nur den Hunger, sondern greift zugleich in Stimmung und Antrieb ein. Die FDA hatte diese Konsequenz bereits 2007 gezogen und die Zulassung von vornherein verweigert.

    Für die eigentliche Frage nach dem Gewicht gibt es 2026 deutlich bessere Antworten als damals. GLP-1-Präparate erreichen zweistellige Gewichtsverluste, mit der Wegovy Tablette kommt im September eine orale Variante dazu, und mit Mysimba sowie Orlistat stehen zwei weitere zugelassene Optionen bereit. Wer damals auf Acomplia gehofft hat, findet heute mehr, als das Präparat je halten konnte.

    Autor: Jörg Keller

    Ich habe über 20 Jahre Erfahrung als Autor und Schriftsteller und betreibe in meiner Freizeit leidenschaftlich gerne Sport. Nach über 10 Jahren Übergewicht schaffte ich es, von 120 kg auf 80 kg abzunehmen und das Gewicht zu halten.

    Als Autor des Buches „Schweinehundtrainer“ habe ich meine persönliche Transformation ausführlich beschrieben und gebe dir nachhaltige Tipps, wie du deinen inneren Schweinehund dauerhaft besiegen kannst.

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