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Preludin
Preludin war das erste zentral wirkende Abnehmmittel überhaupt. Alles, was in den Jahrzehnten danach kam, von Menocil über Regenon bis zu den modernen Präparaten, folgte auf diese eine Tablette aus dem Jahr 1954. Sie steht damit ganz am Anfang der Geschichte.
Entwickelt wurde sie mit einem klaren Ziel. Man wollte einen Appetitzügler ohne die bekannten Nachteile der Amphetamine, und genau so wurde das Präparat auch beworben.
Ein halbes Jahr nach der Markteinführung wusste der Hersteller allerdings bereits, dass die Tabletten längst nicht mehr nur zum Abnehmen geschluckt wurden. Was daraus wurde, ist eine der ungewöhnlichsten Geschichten der deutschen Arzneimittelvergangenheit.
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Aktualisiert: 15. August 2026
Selbstständiger Autor und Sportler. Hat sich von Fett (120 kg) zu Fit (80 kg) gewandelt.
Alles in Kürze
- Preludin enthielt Phenmetrazin und kam 1954 als erstes zentral wirkendes Anorektikum in Deutschland auf den Markt.
- Bereits 1955 wurde die Verschreibungspflicht eingeführt, weil das Mittel massenhaft gegen Müdigkeit statt gegen Übergewicht eingenommen wurde.
- Schweden stufte Phenmetrazin 1959 als Betäubungsmittel ein und nahm es 1965 komplett vom Markt, der Bedarf wurde danach über Schmuggel aus Deutschland gedeckt.
- Heute gilt der Wirkstoff in Deutschland als verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel nach Anlage II.
Häufige Fragen zu Preludin
Was war Preludin genau?
Warum wurde Preludin vom Markt genommen?
Gibt es Preludin heute noch?
War Preludin gefährlicher als Amphetamin?
Wie wurde Preludin missbraucht?
Was hilft heute statt Preludin?
Preludin Wirkstoff Phenmetrazin
Phenmetrazin ist ein Morpholin-Derivat und gehört zur weiteren Familie der amphetaminähnlichen Substanzen. Entwickelt wurde es in den frühen Fünfzigerjahren bei Boehringer Ingelheim, mit dem ausdrücklichen Ziel eines Appetitzüglers ohne die Nebenwirkungen der Amphetamine.
Entwicklung ab 1954
Nach klinischen Untersuchungen in Europa kam das Präparat 1954 in Deutschland auf den Markt, ausgewiesen zur Behandlung von Fettleibigkeit. Kurz darauf folgte der Vertrieb in weiteren Ländern, unter anderem in Großbritannien und den Vereinigten Staaten.
Aus damaliger Sicht schien das Ziel erreicht. Im Vergleich zu den Amphetaminen zeigten sich weniger Nervosität, weniger Erregbarkeit und weniger Schlaflosigkeit, während der Appetit deutlich zurückging. Das Suchtpotenzial hatte man dabei allerdings gründlich unterschätzt.
Phenmetrazin Wirkung im Gehirn
Der Wirkmechanismus beruht auf einer Hemmung des Monoamintransports. Dadurch steigen Noradrenalin und Dopamin im synaptischen Spalt an, was den Appetit dämpft und gleichzeitig Antrieb und Wachheit anhebt.
Zeitgenössische Untersuchungen an der Hamburger Universitätsnervenklinik beschrieben bei gesunden Testpersonen vor allem eine kräftige antriebssteigernde Wirkung mit verzögert einsetzender Müdigkeit. Genau dieser Effekt machte die Tablette für eine völlig andere Zielgruppe interessant als für Menschen mit Übergewicht.
Preludin Anwendung damals
Vorgesehen war eine Tablette am Morgen, ergänzend zu einer kalorienreduzierten Kost. Eine zeitliche Begrenzung im heutigen Sinn gab es nicht, denn das Konzept der befristeten Anwendung setzte sich erst Jahrzehnte später durch.
In der Anfangszeit war das Mittel in manchen Ländern sogar ohne Verschreibung erhältlich. Erst als klar wurde, wie breit es tatsächlich eingesetzt wurde, änderten sich die Regeln.
Preludin Missbrauch und Sucht
Kaum ein anderes Arzneimittel hat so schnell ein Eigenleben entwickelt. Schon ein halbes Jahr nach der Markteinführung erfuhr der Hersteller, dass die Tabletten in Laienkreisen gegen Ermüdungserscheinungen eingenommen wurden statt gegen Übergewicht.
Schwedische Stimulanzienwelle
Am deutlichsten zeigte sich das in Schweden. Als der Konsum von Stimulanzien dort in den Fünfzigerjahren erstmals gehäuft auftrat, griffen die Konsumenten bevorzugt zu Phenmetrazin, und zwar vor Amphetamin und Methamphetamin.
Die Behörden reagierten früh und stuften den Stoff 1959 als Betäubungsmittel ein. 1965 verschwand er dort vollständig vom Markt, woraufhin die illegale Nachfrage über Schmuggel aus Deutschland, später aus Spanien und Italien bedient wurde. Zunächst gingen fertige Tabletten über die Grenze, bald darauf rohes Phenmetrazin-Pulver.
Preludin in der Musikszene
In den frühen Sechzigern hatte die Tablette auch außerhalb der Apotheken einen Namen. In der Hamburger Clubszene und in Musikerkreisen kursierte sie unter dem Spitznamen Prellies, weil sie es erlaubte, nächtelang durchzuspielen.
Auch in den Vereinigten Staaten wurde Preludin in den Sechzigern und frühen Siebzigern als Rauschmittel konsumiert. Dort zerkleinerte man die Tabletten, löste sie in erhitztem Wasser und injizierte sie, was die Wirkung schlagartig verstärkte und die Abhängigkeit beschleunigte.
Preludin Verschreibungspflicht ab 1955
Deutschland führte die Rezeptpflicht bereits 1955 ein, also nur ein Jahr nach dem Marktstart. Für damalige Verhältnisse war das eine schnelle Reaktion.
Ausreichend war sie trotzdem nicht. Ab 1966 begannen mehrere Staaten, Phenmetrazin wegen der Suchtgefahr betäubungsmittelrechtlich zu erfassen, und 1971 folgte die Aufnahme in das internationale Übereinkommen über psychotrope Stoffe.
Preludin Marktende
Anders als bei den späteren Präparaten gab es hier keinen einzelnen Stichtag, an dem eine Behörde die Zulassung widerrief. Das Ende zog sich über Jahrzehnte und lief in Stufen ab.
Lungenhochdruck als Endpunkt
Zum Schluss kam zu den Suchtproblemen noch dasselbe Risiko, das später auch andere Anorektika erledigen sollte. Unter Phenmetrazin traten Fälle von lebensbedrohlicher pulmonaler Hypertonie auf.
Damit stand die Substanz in einer Reihe mit Menocil und den späteren Präparaten. Der Weg vom Arzneimittel über die Verschreibungspflicht zum Betäubungsmittel und schließlich zur Marktrücknahme war damit abgeschlossen.
Phenmetrazin im Betäubungsmittelgesetz
Heute steht Phenmetrazin samt seiner Salze in Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes. Das bedeutet verkehrsfähig, aber nicht verschreibungsfähig.
Ein Arzt darf die Substanz also unter keinen Umständen verordnen, und ein Handelsprodukt existiert ohnehin nicht mehr. Als schwächeres Nachfolgemolekül kam später Phendimetrazin auf, das aber ebenfalls wegen Missbrauchsproblemen kaum noch verordnet wird.
Preludin kaufen
Wer den Namen im Netz sucht, findet gelegentlich Angebote. Diese haben mit dem historischen Arzneimittel nichts zu tun, denn eine Produktion existiert seit Jahrzehnten nicht mehr.
Die Rechtslage unterscheidet sich hier deutlich von den anderen zurückgezogenen Abnehmmitteln. Weil Phenmetrazin dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, geht es nicht mehr nur um einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, sondern um Betäubungsmittelstrafrecht mit entsprechend höheren Strafandrohungen.
Praktisch bedeutet das eine klare Sache. Es gibt keinen Weg, an Preludin zu kommen, der nicht strafbar wäre, und was unter diesem Namen versendet wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas anderes.
Preludin Alternativen heute
Zwischen 1954 und heute liegen mehrere Generationen von Wirkstoffen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass die aktuellen Präparate nicht mehr das Belohnungssystem stimulieren, sondern an der Sättigungsregulation ansetzen.
Abnehmspritzen mit GLP-1
Semaglutid und Tirzepatid ahmen ein Darmhormon nach, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Sie verzögern die Magenentleerung und wirken auf die Sättigungszentren, ohne Antrieb oder Wachheit zu beeinflussen.
Damit entfällt der gesamte Missbrauchsanreiz, der die alten Substanzen begleitete. Eine Übersicht bieten die Abnehmspritzen im Vergleich und die Gegenüberstellung von Wegovy und Mounjaro.
Wegovy Tabletten ohne Spritze
Wer eine Tablette bevorzugt, hat inzwischen eine zugelassene Option. Die EU-Kommission hat die Wegovy Tablette mit 25 mg Semaglutid am 15. Juli 2026 genehmigt, der deutsche Marktstart ist für September angesetzt.
In der Studie OASIS 4 verloren Teilnehmer bei durchgehender Einnahme im Mittel rund 17 Prozent Körpergewicht. Mehr dazu unter Wegovy Spritze oder Tabletten und unter Wegovy Tabletten ohne Rezept.
Appetitzügler mit Cathin
Der klassische Ansatz existiert weiterhin, wenn auch in abgeschwächter Form. Alvalin und X112 Tropfen enthalten Cathin und sind verschreibungspflichtig erhältlich.
Die Anwendung bleibt zeitlich begrenzt, und dieselben Gegenanzeigen wie früher gelten unverändert. Wann ein Appetitzügler überhaupt sinnvoll ist, steht im Beitrag zu Appetitzüglern und ihren Voraussetzungen.
Orlistat und Mysimba
Orlistat hemmt im Darm die Fettverdauung und erreicht das Gehirn gar nicht erst. Für alle, die Substanzen mit zentraler Wirkung meiden möchten, ist das die naheliegende Wahl.
Mysimba kombiniert Naltrexon und Bupropion und wirkt auf Sättigungszentrum und Belohnungssystem. Anders als bei Preludin ist der Rahmen hier über die Zulassung samt Kontrolluntersuchungen klar abgesteckt.
Modafinil bei Tagesschläfrigkeit
Genau die Wirkung, die Preludin damals so beliebt machte, hat heute ihre eigene Indikation. Wer tagsüber dauerhaft gegen Müdigkeit ankämpft, hat ein eigenständiges Problem, das mit dem Körpergewicht nichts zu tun haben muss.
Modafinil ist zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen und wird bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit verordnet. Es hebt die Wachheit an und fördert die Konzentration über mehrere Stunden, mit deutlich geringerem Missbrauchspotenzial als die alten Stimulanzien. Eine Zulassung zur Gewichtsreduktion besitzt der Wirkstoff nicht.
Appetitzügler im Zeitverlauf
| Präparat | Wirkstoff | Markteinführung | Hauptproblem |
|---|---|---|---|
| Preludin | Phenmetrazin | 1954 | Missbrauch und Abhängigkeit |
| Menocil | Aminorex | 1965 | Pulmonale Hypertonie |
| Mirapront N | Cathin | Siebzigerjahre | Lungenhochdruck |
| Reductil | Sibutramin | 1999 | Herzinfarkt und Schlaganfall |
| Acomplia | Rimonabant | 2006 | Depression und Suizidrisiko |
| Wegovy | Semaglutid | 2023 | Zugelassen und verfügbar |
Die letzte Zeile fällt aus dem Muster, und genau darum geht es. Sieben Jahrzehnte lang scheiterte jeder Versuch am selben Grundproblem, weil alle diese Substanzen das Nervensystem hochfuhren. Eine Einordnung der heute verfügbaren Wirkstoffe bietet die Seite zu den wirksamsten Abnehmmedikamenten.
Zusammenfassung
Preludin steht am Anfang der medikamentösen Gewichtsreduktion. Ab 1954 sollte Phenmetrazin genau das leisten, was die Amphetamine ohne deren Nachteile versprachen, und schon ein halbes Jahr später war klar, dass die Tabletten überwiegend aus einem anderen Grund geschluckt wurden.
Der Rest verlief in Stufen. 1955 kam die Rezeptpflicht, ab 1959 stufte Schweden den Stoff als Betäubungsmittel ein und nahm ihn 1965 ganz vom Markt, ab 1966 folgten weitere Staaten. Am Ende kam zu den Suchtproblemen noch der Lungenhochdruck hinzu, und heute steht Phenmetrazin in Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes.
Für alle, die aktuell nach Unterstützung beim Abnehmen suchen, ist das eher eine historische Fußnote als eine praktische Option. Die heutigen GLP-1-Präparate erreichen ein Vielfaches dessen, was Preludin je leisten konnte, wirken über Sättigungshormone statt über das Belohnungssystem und stehen seit Kurzem auch als Tablette zur Verfügung.
- Phenmetrazine – PubChem, National Library of Medicine https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov
- Phenmetrazine Hydrochloride – NCATS Inxight Drugs, National Center for Advancing Translational Sciences https://drugs.ncats.io
- Orlistat und Sibutramin – Pharmazeutische Zeitung https://pharmazeutische-zeitung.de
- Pharmakotherapie des Übergewichts, ein Blick zurück mit Schrecken – arznei-telegramm https://www.arznei-telegramm.de
- Aminorex and the pulmonary circulation – Thorax, National Library of Medicine https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Keine Wunderwaffen gegen Fettsucht – Pharmazeutische Zeitung https://www.pharmazeutische-zeitung.de
- Anlage III zum Betäubungsmittelgesetz – Bundesministerium der Justiz https://www.gesetze-im-internet.de
- Sibutraminhaltige Arzneimittel, Ruhen der Zulassung – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte https://www.bfarm.de
- Acomplia (Rimonabant) – Europäische Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu
- Semaglutid-Tablette soll im dritten Quartal auf den Markt kommen – Deutsches Ärzteblatt https://www.aerzteblatt.de
- EU erteilt Zulassung für orales Semaglutid – Diabetologie Online https://www.diabetologie-online.de
Ich habe über 20 Jahre Erfahrung als Autor und Schriftsteller und betreibe in meiner Freizeit leidenschaftlich gerne Sport. Nach über 10 Jahren Übergewicht schaffte ich es, von 120 kg auf 80 kg abzunehmen und das Gewicht zu halten. Als Autor des Buches „Schweinehundtrainer“ habe ich meine persönliche Transformation ausführlich beschrieben und gebe dir nachhaltige Tipps, wie du deinen inneren Schweinehund dauerhaft besiegen kannst. Mach aus Motivation Routine, damit kein Jo-Jo-Effekt entsteht! Sport kann auch zu deiner festen Routine und Leidenschaft werden! 📝
