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Isomeride
Isomeride (Isomerid) war kein Nischenprodukt. Zwischen 1963 und 1996 wurden schätzungsweise 50 Millionen Europäer mit Fenfluramin oder Dexfenfluramin behandelt, allein in den USA zählte man 1996 rund 18 Millionen Verschreibungen. Es war das erfolgreichste Abnehmmittel seiner Zeit.
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Aktualisiert: 16. August 2026
Selbstständiger Autor und Sportler. Hat sich von Fett (120 kg) zu Fit (80 kg) gewandelt.
Alles in Kürze
- Isomeride enthielt Dexfenfluramin und dämpfte den Appetit über eine verstärkte Serotoninwirkung im Gehirn.
- Am 17. September 1997 nahm der Hersteller das Präparat samt Schwesterprodukt Ponderax vom Markt, sechs Tage später ordnete das BfArM Ruhen der Zulassung und Rückruf an.
- Ausschlaggebend waren Herzklappenveränderungen, die vor allem in der amerikanischen Kombination mit Phentermin auffielen.
- Der Wirkstoff Fenfluramin ist seit 2021 in Deutschland wieder verfügbar, allerdings als Epilepsiemedikament in stark reduzierter Dosis.
Häufige Fragen zu Isomeride
Was war Isomeride genau?
Warum wurde Isomeride zurückgerufen?
Gibt es Isomeride noch zu kaufen?
Was war Fen-Phen?
Ist Fenfluramin heute wieder zugelassen?
Was hilft heute statt Isomeride?
Isomeride Wirkstoff Dexfenfluramin
Dexfenfluramin ist das rechtsdrehende Isomer des Fenfluramins und damit chemisch dessen aktivere Hälfte. Beide gehören zu den fluorierten Amphetamin-Abkömmlingen, wirken aber anders als die klassischen Appetitzügler nicht aufputschend.
Wirkung über Serotonin
Der Wirkstoff setzt Serotonin aus den Speichervesikeln der Nervenzellen frei und hemmt zusätzlich dessen Wiederaufnahme. Dadurch steigt der Serotoninspiegel im synaptischen Spalt, und das Sättigungsgefühl setzt früher ein.
Genau dieser serotonerge Ansatz galt damals als Fortschritt gegenüber den amphetaminartigen Vorgängern. Ohne Unruhe, ohne Schlaflosigkeit, ohne den Wachmacher-Effekt, der bei Preludin zum Massenmissbrauch geführt hatte. Das Problem lag am Ende woanders.
Isomeride Dosierung damals
Angewendet wurde Fenfluramin in Dosierungen von 60 bis 120 mg täglich, in Einzelfällen bis 160 mg. Isomeride als Dexfenfluramin-Präparat kam mit entsprechend niedrigerer Milligrammzahl aus, weil nur das wirksamere Isomer enthalten war.
Diese Größenordnung ist wichtig für alles, was später folgte. Die heute zugelassene Höchstdosis derselben Substanz liegt bei einem Bruchteil davon.
Unterschied zu Ponderax
Ponderax enthielt das Racemat, also die Mischung beider Isomere, Isomeride nur das rechtsdrehende. Beide stammten vom selben Hersteller und wurden am selben Tag zurückgezogen.
In Deutschland war Fenfluramin seit den Siebzigerjahren im Handel, in anderen europäischen Ländern schon seit Anfang der Sechziger. Über gut drei Jahrzehnte hinweg summierte sich daraus eine Anwendung bei geschätzt 50 Millionen Menschen allein in Europa.
Herzklappenschäden und Fen-Phen
Der Auslöser für das Ende kam nicht aus Europa, sondern aus einer amerikanischen Klinik, und er betraf eine Anwendungsform, die es in Deutschland nie gegeben hat.
Befunde der Mayo Clinic
Im Sommer 1997 meldeten Ärzte der Mayo Clinic Herzklappenveränderungen bei adipösen Patientinnen, die im Durchschnitt rund neun Monate lang eine Kombination aus Fenfluramin und Phentermin eingenommen hatten. Diese Kombination lief unter dem Kürzel Fen-Phen und war in den USA außerhalb der Zulassung weit verbreitet.
Betroffen waren Mitral-, Aorten- und Trikuspidalklappe. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen fand sich zusätzlich ein erhöhter Druck im Lungenkreislauf. Die Befunde wogen so schwer, dass das New England Journal of Medicine sie vorab veröffentlichen ließ, bevor die eigentlichen Fachartikel erschienen.
Zahlen aus den Folgestudien
Ein Jahr später bestätigten mehrere Untersuchungen die Entscheidung. In einer Arbeit aus Minneapolis wurden 233 Studienteilnehmer, die zwischen fünf und 26 Monaten Dexfenfluramin oder eine Kombination eingenommen hatten, mit 233 vergleichbaren Kontrollpersonen verglichen.
Das Ergebnis war eindeutig. Bei 23 Prozent der Behandelten fanden sich Klappenanomalien, in der Kontrollgruppe bei 1,3 Prozent. Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei den Kombinationstherapien.
Lungenhochdruck als Vorgeschichte
Neu war der Verdacht gegen die Substanzgruppe ohnehin nicht. Fenfluramin stand bereits seit den Achtzigerjahren im Verdacht, eine pulmonale Hypertonie auslösen zu können, und eine große internationale Untersuchung hatte diesen Zusammenhang 1996 erhärtet.
Damit reihte sich Isomeride in dieselbe Linie ein, die mit Menocil begonnen hatte. Der Klappenbefund kam nur noch obendrauf.
Isomeride Rückruf 1997
Der Ablauf war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich schnell. Am 17. September 1997 informierte der Hersteller per Rote-Hand-Brief, dass Ponderax und Isomeride ab sofort nicht mehr auf dem Markt gehalten werden.
Sechs Tage später, am 23. September 1997, erließ das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf Antrag des Unternehmens einen Bescheid. Damit ruhte die Zulassung, und sämtliche im Verkehr befindlichen Chargen von Ponderax, Ponderax retard und Isomeride wurden zurückgerufen.
In den Vereinigten Staaten trafen die dortigen Vertriebsfirmen zeitgleich dieselbe Entscheidung. Ein förmlicher Kausalitätsbeweis lag zu diesem Zeitpunkt nicht vor, was der Hersteller in seiner Mitteilung ausdrücklich betonte und die Rücknahme als Vorsichtsmaßnahme bezeichnete.
Isomeride kaufen
Angebote unter dem alten Markennamen tauchen im Netz weiterhin auf, obwohl seit fast drei Jahrzehnten keine Produktion mehr läuft. Was dabei versendet wird, lässt sich in keinem Fall überprüfen.
Die Rechtslage ist klar geregelt. Ein Arzneimittel, dessen Zulassung ruht, ist nicht verkehrsfähig, und die Einfuhr nicht zugelassener Präparate untersagt das Arzneimittelgesetz in § 73. Ein legaler Bezugsweg existiert damit nirgends.
Analysen illegal gehandelter Schlankheitsmittel fanden in der Vergangenheit regelmäßig ganz andere Substanzen als angegeben, darunter Sibutramin und amphetaminartige Stoffe. Worauf du bei solchen Produkten achten solltest, steht in unserer Einordnung der Fatburner und Diätpillen.
Fenfluramin als Fintepla
Hier wird die Geschichte ungewöhnlich. Von allen zurückgezogenen Abnehmmitteln ist Fenfluramin das einzige, das in einer anderen Indikation an den Markt zurückgekehrt ist.
Ausgangspunkt waren klinische Beobachtungen, nach denen die Substanz Krampfanfälle unterdrücken kann. Die Europäische Kommission erteilte am 22. Dezember 2020 die Zulassung für Fintepla, ein Präparat gegen Anfälle beim Dravet-Syndrom, einer seltenen Epilepsieform im Kindesalter. Seit Februar 2021 ist es in Deutschland verfügbar, später kam das Lennox-Gastaut-Syndrom als weitere Indikation hinzu.
Der Unterschied liegt in der Dosis und in der Kontrolle. Die zugelassene Höchstdosis liegt bei 26 mg täglich und damit zwei- bis viermal niedriger als die frühere Appetitzügler-Dosierung. Dazu kommt ein Programm für kontrollierten Zugang mit einer Verschreiber-Identifikationsnummer, die auf dem Rezept vermerkt und in der Apotheke geprüft wird.
Vorgeschrieben ist außerdem ein Herzultraschall vor Therapiebeginn, danach alle sechs Monate und noch einmal nach Behandlungsende. Genau das, was 1997 gefehlt hat, ist heute Pflichtbestandteil der Therapie.
Isomeride Alternativen heute
Das Grundproblem von Isomeride lag im Serotoninsystem, das eben nicht nur Sättigung steuert, sondern auch an Herzklappen und Lungengefäßen wirkt. Die heutigen Präparate umgehen diesen Mechanismus vollständig.
Abnehmspritzen mit GLP-1
Semaglutid und Tirzepatid ahmen ein Darmhormon nach, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Auch sie unterdrücken den Appetit, nur eben über Sättigungssignale und eine verzögerte Magenentleerung statt über den Serotoninhaushalt.
Die erreichbaren Gewichtsverluste liegen weit über allem, was mit Dexfenfluramin möglich war. Eine Übersicht bieten die Abnehmspritzen im Vergleich und die Gegenüberstellung von Wegovy und Mounjaro.
Wegovy Tabletten ohne Spritze
Wer eine Tablette bevorzugt, hat inzwischen eine zugelassene Option. Die EU-Kommission hat die Wegovy Tablette mit 25 mg Semaglutid am 15. Juli 2026 genehmigt, der deutsche Marktstart ist für September angesetzt.
In der Studie OASIS 4 verloren Teilnehmer bei durchgehender Einnahme im Mittel rund 17 Prozent Körpergewicht. Mehr dazu unter Wegovy Spritze oder Tabletten und unter Wegovy Tabletten ohne Rezept.
Appetitzügler mit Cathin
Der klassische Ansatz existiert weiterhin. Alvalin und X112 Tropfen enthalten Cathin und sind verschreibungspflichtig erhältlich.
Die Anwendung bleibt zeitlich eng begrenzt, und bei Herzerkrankungen sind diese Präparate ebenfalls gegenanzeigt. Wann ein Appetitzügler überhaupt sinnvoll ist, steht im Beitrag zu Appetitzüglern und ihren Voraussetzungen.
Orlistat und Mysimba
Orlistat hemmt im Darm die Fettverdauung und erreicht Herz und Kreislauf gar nicht erst. Für Menschen mit kardialer Vorgeschichte ist das die unbedenklichste Variante.
Mysimba kombiniert Naltrexon und Bupropion und wirkt auf Sättigungszentrum und Belohnungssystem. Blutdruckkontrollen gehören dazu, der Rahmen ist über die Zulassung aber klar definiert.
Modafinil bei Tagesschläfrigkeit
Wer beim Abnehmen vor allem an Antrieb und Durchhaltevermögen scheitert, sollte prüfen, ob dahinter ein Schlafproblem steckt. Anhaltende Tagesmüdigkeit hat eigene Ursachen und eine eigene Behandlung.
Modafinil ist zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen und wird bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit verordnet. Es hebt die Wachheit an und fördert die Konzentration über mehrere Stunden, was sich indirekt auf Motivation und Alltagsstruktur auswirken kann. Eine Zulassung zur Gewichtsreduktion besitzt der Wirkstoff nicht, ein gedämpfter Appetit gilt dort als Nebenwirkung.
Appetithemmer im Vergleich
| Präparat | Angriffspunkt | Status in Deutschland | Kardiales Risiko |
|---|---|---|---|
| Isomeride (Dexfenfluramin) | Serotoninfreisetzung | Zulassung ruht seit 1997 | Klappenschäden belegt |
| Semaglutid, Tirzepatid | GLP-1-Rezeptoren, Sättigung | Zugelassen, rezeptpflichtig | Günstig bewertet |
| Wegovy Tablette 25 mg | GLP-1-Rezeptoren, Sättigung | Neu zugelassen, rezeptpflichtig | Günstig bewertet |
| Cathin (Alvalin, X112) | Noradrenalin, Appetitdämpfung | Zugelassen, rezeptpflichtig | Bei Herzleiden ungeeignet |
| Xenical (Orlistat) | Fettverdauung im Darm | Zugelassen, teils rezeptfrei | Keine zentrale Wirkung |
Die rechte Spalte zeigt, warum sich in diesem Bereich alles verschoben hat. Über Jahrzehnte scheiterten Appetithemmer an Herz und Lunge, bis eine Wirkstoffklasse kam, die diese Organe schlicht nicht anspricht. Eine vollständige Einordnung bietet die Seite zu den wirksamsten Abnehmmedikamenten.
Zusammenfassung
Isomeride verschwand im September 1997 innerhalb weniger Tage vom Markt. Auslöser waren Berichte über Herzklappenveränderungen bei Patienten, die Fenfluramin zusammen mit Phentermin eingenommen hatten. Der Hersteller zog beide Präparate freiwillig zurück, das BfArM ordnete Ruhen der Zulassung und Rückruf aller Chargen an, und Folgestudien bestätigten die Entscheidung ein Jahr später mit deutlichen Zahlen.
Bemerkenswert ist, was danach geschah. Derselbe Wirkstoff kehrte als Fintepla in die Apotheken zurück, allerdings gegen eine seltene Epilepsieform, in stark reduzierter Dosis und mit verpflichtendem Herzultraschall vor, während und nach der Therapie. Es ist damit das einzige Beispiel aus dieser Reihe, in dem eine Substanz eine zweite Chance bekam, nur eben unter völlig anderen Bedingungen.
Für alle, die heute nach Unterstützung beim Abnehmen suchen, sind die Aussichten deutlich besser als damals. GLP-1-Präparate dämpfen den Appetit ebenfalls, kommen dabei ohne Eingriff in den Serotoninhaushalt aus und erreichen zweistellige Gewichtsverluste. Mit der Wegovy Tablette gibt es diesen Ansatz seit Kurzem auch zum Schlucken.
- Rückruf von Ponderax (Fenfluramin) und Isomeride (Dexfenfluramin) – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Deutsches Ärzteblatt https://aerzteblatt.de
- Assoziation zwischen Herzklappenerkrankungen, pulmonaler Hypertonie und Fenfluramin-Phentermin-Kombinationstherapie – Der Arzneimittelbrief https://der-arzneimittelbrief.com
- Appetitzügler und Herzklappenerkrankungen – Der Arzneimittelbrief https://der-arzneimittelbrief.com
- Marktrücknahme von Fenfluramin und Dexfenfluramin – arznei-telegramm https://arznei-telegramm.de
- Sicherer verordnen, Fenfluramin und Dexfenfluramin – Rheinisches Ärzteblatt, Ärztekammer Nordrhein https://www.aekno.de
- Fintepla, Übersicht über Fintepla und warum es in der EU zugelassen ist – Europäische Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu
- Fintepla 2,2 mg/ml Lösung zum Einnehmen, Schulungsmaterial für Ärztinnen und Ärzte – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte https://www.bfarm.de
- Neueinführung Fintepla beim Dravet-Syndrom – Gelbe Liste Pharmindex https://www.gelbe-liste.de
- Verringerung der Anfallsfrequenz durch Add-on-Therapie mit Fenfluramin – Psychopharmakotherapie https://www.ppt-online.de
- Pharmakotherapie des Übergewichts, ein Blick zurück mit Schrecken – arznei-telegramm https://www.arznei-telegramm.de
- Semaglutid-Tablette soll im dritten Quartal auf den Markt kommen – Deutsches Ärzteblatt https://www.aerzteblatt.de
- EU erteilt Zulassung für orales Semaglutid – Diabetologie Online https://www.diabetologie-online.de
Ich habe über 20 Jahre Erfahrung als Autor und Schriftsteller und betreibe in meiner Freizeit leidenschaftlich gerne Sport. Nach über 10 Jahren Übergewicht schaffte ich es, von 120 kg auf 80 kg abzunehmen und das Gewicht zu halten. Als Autor des Buches „Schweinehundtrainer“ habe ich meine persönliche Transformation ausführlich beschrieben und gebe dir nachhaltige Tipps, wie du deinen inneren Schweinehund dauerhaft besiegen kannst. Mach aus Motivation Routine, damit kein Jo-Jo-Effekt entsteht! Sport kann auch zu deiner festen Routine und Leidenschaft werden! 📝
