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Alte Abnehmmittel
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Mediator: Der Pillenskandal mit Toten

Offiziell war Mediator ein Diabetesmittel. In Wahrheit schluckten es in Frankreich rund fünf Millionen Menschen, oft einfach zum Abnehmen. Der Wirkstoff war ein naher Verwandter von Fenfluramin und schädigte Herzklappen. Eine Lungenärztin aus Brest brachte den Skandal ins Rollen, Gerichte verurteilten den Hersteller Servier.

Aktualisiert: November 2026 · Jörg Keller · Lesezeit 12 Min.

Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Mediator mit dem Wirkstoff Benfluorex war von 1976 bis 2009 in Frankreich auf dem Markt, Hersteller war Servier
  • Zugelassen war es als Zusatzmittel bei Diabetes mit Übergewicht, eingesetzt wurde es jahrzehntelang als Appetitzügler
  • Im Körper entsteht Norfenfluramin, derselbe Stoff, der schon Fenfluramin zum Herzklappen-Killer machte
  • Schätzungen sprechen von bis zu rund 2.000 Toten, 2023 wurde Servier in zweiter Instanz in allen Punkten verurteilt
  • In Deutschland war Mediator nie zugelassen, heute helfen ärztlich verordnete GLP-1-Mittel
Mediator: Der Skandal mit Toten
Präparat-SteckbriefEU-weit widerrufen 2010
  • Abnehmwirkung
  • Sicherheit
  • Studienlage
  • Heute erhältlich

Damals versprochen …ein harmloses Zusatzmittel für übergewichtige Diabetiker, das Blutzucker und Blutfette verbessern sollte.

Was wirklich passierte …Millionen Verordnungen als Schlankmacher, geschädigte Herzklappen, Lungenhochdruck, Operationen und Todesfälle. Dazu einer der größten Arzneimittelprozesse Frankreichs.

WirkstoffBenfluorex
HandelsnamenMediator, dazu Generika wie Benfluorex Mylan und Benfluorex Qualimed
WirkprinzipVorstufe von Norfenfluramin, verwandt mit Fenfluramin, wirkt über Serotonin
Auf dem MarktFrankreich 1976–2009
Status heuteEU-weit widerrufen seit 2010, in Deutschland nie zugelassen
GrundHerzklappenschäden, Lungenhochdruck, geringer Nutzen

Was war Mediator?

Mediator war eine Tablette des französischen Pharmakonzerns Servier. Der Wirkstoff Benfluorex wurde 1974 zugelassen, ab 1976 war das Präparat in Frankreich erhältlich. Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur gab es benfluorexhaltige Tabletten in Frankreich und Portugal. Es ist das dunkelste Kapitel in unserer Übersicht Alte Abnehmmittel, weil hier ein Mittel unter falscher Flagge lief.

Auf dem Beipackzettel stand nämlich nichts von Abnehmen. Zugelassen war Mediator als Zusatzbehandlung für übergewichtige Diabetiker, ergänzend zur Diät. Eine zweite Anwendung bei erhöhten Blutfetten wurde 2007 gestrichen. In der Praxis verschrieben viele Ärzte das Mittel über dreißig Jahre lang vor allem bei Gewichtsproblemen, als Appetitzügler.

🏷️Offiziell Diabetes

Ein Zusatzmittel für Typ-2-Diabetiker mit Übergewicht, das gut ins Kassensystem passte.

⚖️Praktisch Schlankpille

Viele bekamen es ohne Diabetes, einfach weil sie abnehmen wollten.

🇫🇷Millionenfach verordnet

In Frankreich sollen rund fünf Millionen Menschen Mediator genommen haben.

In Deutschland war Mediator nie zugelassen. Das ist der Grund, warum der Name hierzulande weniger bekannt ist als in Frankreich, wo er bis heute für Arzneimittelskandal schlechthin steht.

So wirkte Benfluorex im Körper

Benfluorex ist ein sogenanntes Prodrug, eine Vorstufe. Erst im Körper wird daraus der eigentlich wirksame Stoff, nämlich Norfenfluramin. Genau dieses Molekül entsteht auch beim Abbau von Fenfluramin, dem Wirkstoff der Appetitzügler Ponderax und, als Dexfenfluramin, Isomeride.

🧠Serotonin im Gehirn

Norfenfluramin verstärkt die Serotonin-Wirkung und dämpft so den Appetit, wie bei Fenfluramin.

🫀Rezeptor an den Herzklappen

Norfenfluramin aktiviert den Rezeptor 5-HT2B, der auf Herzklappenzellen sitzt. Das kann das Gewebe wuchern lassen.

🫁Lunge

Wie bei Fenfluramin wurden auch Fälle von Lungenhochdruck gemeldet, einer schweren, oft tödlichen Erkrankung.

Forscher zeigten im Jahr 2000, dass genau die Aktivierung von 5-HT2B durch Norfenfluramin die Herzklappenschäden der Fenfluramin-Ära erklären kann. Die Klappen verdicken, schließen nicht mehr richtig, und Blut fließt zurück. Im schlimmsten Fall braucht es eine Operation am offenen Herzen.

Das eigentlich Unfassbare: Fenfluramin und Dexfenfluramin verschwanden 1997 wegen Herzklappenschäden und Lungenhochdruck aus Europa. Mediator, das im Körper denselben Problemstoff bildet, blieb in Frankreich noch zwölf weitere Jahre auf dem Markt.

Die Geschichte: 33 Jahre auf dem Markt

Zwischen Markteinführung und Verbot liegen über drei Jahrzehnte. Die wichtigsten Stationen im Überblick.

  • 1974
    Benfluorex wird zugelassen. Hersteller ist Servier.
  • 1976
    Mediator kommt in Frankreich auf den Markt, offiziell für Diabetiker und bei erhöhten Blutfetten.
  • 1997
    Die Verwandten Fenfluramin und Dexfenfluramin verschwinden wegen Herzklappenschäden vom europäischen Markt. Mediator bleibt.
  • 2007
    Die Anwendung bei erhöhten Blutfetten wird gestrichen. In Brest fallen der Lungenärztin Irène Frachon erste verdächtige Fälle auf.
  • 2008
    Frachon alarmiert Behörden und Medien.
  • 2009
    Eine neue Studie bestätigt im Oktober das Herzklappenrisiko. Im November setzt Frankreich die Zulassung aus, Portugal ruft die Tabletten zurück.
  • 2010
    Frachon veröffentlicht ihre Fall-Kontroll-Studie und das Buch „Mediator 150 mg, combien de morts?“. Die EU widerruft im Juni alle Zulassungen.
  • 2011
    In Frankreich wird ein Strafverfahren eröffnet.
  • 2019
    In Paris beginnt der große Strafprozess gegen Servier und die frühere Arzneimittelbehörde.
  • 2021
    Am 29. März wird Servier in erster Instanz verurteilt.
  • 2023
    Am 20. Dezember verurteilt das Berufungsgericht Servier in allen Anklagepunkten.

Was dazwischen liegt, ist der eigentliche Skandal. Ein Wirkstoff, dessen naher Verwandter wegen Herzschäden verschwunden war, durfte weiter verkauft werden, millionenfach und mit Kassenerstattung. Im Prozess ging es später genau um die Frage, wer was wann wusste.

Irène Frachon und die Studie aus Brest

Ohne eine einzelne Ärztin wäre Mediator vielleicht noch länger auf dem Markt geblieben. Irène Frachon ist Lungenfachärztin am Universitätsklinikum Brest. Ihr fielen Patienten mit Lungenhochdruck und kaputten Herzklappen auf, für die es keine Erklärung gab. Viele hatten eines gemeinsam, nämlich Mediator.

Frachon und ihr Team werteten die Fälle ihres Klinikums von 2003 bis 2009 aus. Sie verglichen 27 Patienten mit unerklärter Undichtigkeit der Mitralklappe mit 54 Patienten, bei denen die Ursache bekannt war.

Wer hatte Benfluorex genommen?

Anteil mit Benfluorex-Einnahme, Fall-Kontroll-Studie Brest, PLOS ONE 2010

Unerklärter Klappenschaden
70,4 % (19 von 27)
Erklärter Klappenschaden
5,6 % (3 von 54)

Der Zusammenhang war überdeutlich. Auch nach Berücksichtigung von Body-Mass-Index und Diabetes blieb das Risiko um ein Vielfaches erhöht. Parallel zeigte eine Auswertung der französischen Krankenversicherung mit über einer Million Diabetikern mehr Krankenhausaufenthalte wegen Herzklappenerkrankungen unter Benfluorex.

Ein Buch als Weckruf: Frachons Buch „Mediator 150 mg, combien de morts?“, auf Deutsch etwa „Wie viele Tote?“, erschien 2010. Heute gilt Frachon in Frankreich als Symbolfigur für Patientensicherheit.

Schäden und Todesfälle

Wie viele Menschen Mediator das Leben gekostet hat, lässt sich nicht exakt sagen, weil Herzklappenschäden auch andere Ursachen haben können. Die Schätzungen sind trotzdem erschütternd.

💊Rund 5 Millionen

So viele Menschen sollen Mediator in Frankreich zwischen 1976 und 2009 genommen haben.

🫀Rund 5.000

So viele Betroffene sollen an Herzklappenfehlern oder anderen schweren Kreislaufproblemen leiden.

⚰️Bis zu rund 2.000

So viele Todesfälle werden dem Mittel nach Schätzungen zugerechnet.

Hinter jeder Zahl stehen Menschen, die eine Tablette gegen ein paar Kilo genommen haben und am Ende mit Herzklappenersatz und Atemnot dastanden oder daran starben. Viele hatten nicht einmal Diabetes, sie wollten einfach schlanker werden.

Was Mediator bringen sollte

  • Besserer BlutzuckerAls Zusatz bei übergewichtigen Diabetikern gedacht, laut EMA aber nur mit begrenzter Wirkung.
  • Weniger AppetitÜber Serotonin, wie bei Fenfluramin.

Was Mediator anrichtete

  • HerzklappenschädenVerdickte, undichte Klappen, teils mit Operation am offenen Herzen.
  • LungenhochdruckEine schwere Erkrankung, die zu Herzversagen führen kann.
  • TodesfälleSchätzungen reichen bis etwa 2.000 Tote in Frankreich.
  • Geringer NutzenDie EMA bewertete die Wirkung bei Diabetes 2010 als nur begrenzt.

Jetzt mal ehrlich: Ein paar Kilo weniger gegen das Risiko einer Herz-OP. Kein vernünftiger Mensch würde diesen Tausch eingehen, wenn er ihn kennt. Genau das ist der Kern des Skandals. Die Patienten kannten das Risiko nicht.

Der Prozess: Servier vor Gericht

Der Strafprozess in Paris war einer der größten Arzneimittelprozesse Frankreichs. Angeklagt waren nicht nur Servier und frühere Manager, sondern auch die damalige Arzneimittelbehörde Afssaps, heute ANSM. Ihr wurden Interessenkonflikte und Verbindungen zu Servier vorgeworfen. Firmengründer Jacques Servier selbst starb 2014, bevor es zum Prozess kam.

InstanzUrteilFolgen
Erste Instanz, 29. März 2021Schuldig wegen schwerer Täuschung sowie fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, freigesprochen vom Betrug an den KrankenkassenRund 2,7 Mio. Euro Geldstrafe, vier Jahre auf Bewährung für den früheren Vize-Chef Jean-Philippe Seta, rund 303.000 Euro Strafe für die Arzneimittelbehörde
Berufung, 20. Dezember 2023Schuldig in allen Anklagepunkten, auch Betrug an den Krankenkassen und unrechtmäßig erlangte ZulassungÜber 9 Mio. Euro Geldstrafe, rund 420 Mio. Euro Rückzahlung an die Krankenversicherungen, für Seta vier Jahre auf Bewährung plus ein Jahr Hausarrest mit Fußfessel

Das Berufungsurteil ist deutlich härter. Das unabhängige Fachblatt Prescrire schrieb, es bilde den angerichteten Schaden besser ab. Das Gericht sah im Verhalten des Konzerns, zugespitzt, finanziellen Nutzen für die Firma und tödlichen Schaden für die Patienten. Servier und Seta gingen danach vor das oberste französische Gericht.

Die Lehre für dich: Ein Medikament ist nicht automatisch sicher, nur weil es zugelassen ist und die Kasse es bezahlt. Mediator war beides. Frag bei jedem Mittel zum Abnehmen, wofür es zugelassen ist und welche Studien es gibt.

Warum Leute heute noch nach Mediator suchen

Die meisten Suchanfragen kommen nicht von Leuten, die Mediator kaufen wollen. Sie kommen von Menschen, die über den Skandal gelesen haben oder sich fragen, ob ein Angehöriger betroffen war. Einige suchen aber auch nach einem „Diabetesmittel zum Abnehmen“ und landen so bei Benfluorex.

Finger weg von jedem Angebot. Benfluorex ist in der gesamten EU seit 2010 nicht mehr zugelassen und war in Deutschland nie erhältlich. Was im Netz unter diesem Namen auftaucht, stammt nicht aus geprüfter Produktion. Abgesehen vom Fälschungsrisiko wäre selbst echtes Benfluorex genau das Mittel, das Herzklappen zerstört hat. Mehr zu gefälschten Abnehmmitteln unter Abnehmspritze Fälschungen.

Falls du früher Mediator genommen hast, etwa während eines Aufenthalts in Frankreich, und heute unter Atemnot, Leistungsknick oder Herzgeräuschen leidest, sprich deinen Arzt darauf an. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens klärt, ob die Klappen in Ordnung sind.

Auch das „Diabetesmittel zum Abnehmen“ gibt es heute in seriös. Metformin wird manchmal off-label eingesetzt, mit bescheidenem Effekt. Die eigentliche Revolution kam aus der Diabetesforschung, nämlich die GLP-1-Medikamente, ursprünglich für Diabetiker entwickelt wie Ozempic.

Was heute statt Mediator hilft

Mediator und moderne Abnehmspritzen haben eines gemeinsam, beide kommen aus der Diabetes-Ecke. Damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon.

Mediator damalsGLP-1 heute
Zulassung zum AbnehmenNie, Einsatz als Schlankpille war ZweckentfremdungJa, Wegovy, Mounjaro und Saxenda sind dafür zugelassen
WirkprinzipSerotonin über NorfenfluraminSättigungshormon, Magen entleert langsamer
Abnahme in StudienKeine belastbaren Abnehm-DatenRund 15 bis 20 Prozent des Körpergewichts
Größtes RisikoHerzklappenschäden, LungenhochdruckÜbelkeit, Verdauung, selten Bauchspeicheldrüse und Galle
StatusEU-weit widerrufen 2010Zugelassen, auf Rezept
💉
Heute statt Mediator

Ein Sättigungshormon statt eines Fenfluramin-Erben

GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro ahmen ein Darmhormon nach, das nach dem Essen Sättigung meldet. Der Magen entleert sich langsamer, Heißhunger wird leiser. Anders als Mediator sind sie ausdrücklich zum Abnehmen zugelassen und in großen Studien geprüft. In STEP 1 verloren Erwachsene mit Semaglutid im Schnitt rund 15 Prozent ihres Gewichts, in SURMOUNT-1 mit Tirzepatid in der höchsten Stufe rund 20 Prozent.

  • Disziplin brauchst du trotzdem. Die Spritze ersetzt das Kaloriendefizit nicht, aber sie vermittelt dir die Disziplin. Während der Hunger gedämpft ist, gewöhnst du dich an kleinere Portionen.
  • Kein Serotonin-Mechanismus. Der Wirkweg ist ein anderer als bei Fenfluramin und Benfluorex.
  • Nebenwirkungen offen benannt. Übelkeit, Verstopfung und Durchfall sind häufig, mehr unter Abnehmspritzen Nebenwirkungen.

Die Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ein Arzt prüft, ob sie für dich infrage kommen, in der Regel ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Mehr unter Abnehmspritzen, als Tablette unter Abnehmtabletten und im Detail unter Wegovy und Mounjaro.

Wenn du ganz ohne Medikament abnehmen willst, geht das auch. Ich habe meine 40 Kilo ohne Pille und ohne Spritze verloren, mit Kalorienzählen und festen Routinen. Den Weg beschreibe ich in meiner Abnehm-Anleitung, deinen Bedarf rechnest du unter Kalorienverbrauch ermitteln aus. Alle zugelassenen Mittel findest du unter Medikamente zum Abnehmen.

Fazit: Was bleibt vom Mediator-Skandal?

Mediator ist das Lehrbuchbeispiel dafür, was schiefgeht, wenn ein Mittel unter falschem Etikett verkauft wird. Offiziell Diabetes, praktisch Schlankpille, chemisch ein Erbe von Fenfluramin. Zwölf Jahre nachdem der Verwandte vom Markt musste, war Mediator immer noch in den Apotheken. Erst eine hartnäckige Ärztin aus Brest hat das beendet. Mit einem Abnehmmittel, das heute etwas taugt, hat das nichts zu tun.

6,0Note
Mein Urteil

Kein Nutzen, der die Risiken rechtfertigt, Herzklappenschäden, Lungenhochdruck und Tote. Ein Arzneimittelskandal, kein Abnehmmittel. Glatte Sechs und eine Warnung für alle, die heute auf Wundermittel aus dunklen Quellen hoffen.

Eine Pille, die nur ein paar Kilo verspricht, darf nie dein Herz kosten.Jörg Keller
Lieber ein geprüftes Mittel mit Zulassung?

Ein ärztlich verschriebenes GLP-1-Medikament dämpft den Appetit über ein Sättigungshormon, damit neue Gewohnheiten Zeit haben. Alle seriösen Anbieter im Anbieter-Vergleich.

Häufige Fragen zu Mediator und Benfluorex

Was ist der Mediator-Skandal?

Das Diabetesmittel Mediator von Servier wurde in Frankreich jahrzehntelang als Appetitzügler verschrieben. Der Wirkstoff Benfluorex schädigte Herzklappen und konnte Lungenhochdruck auslösen. Schätzungen gehen von bis zu rund 2.000 Toten aus. Servier wurde 2021 und 2023 verurteilt.

War Mediator in Deutschland erhältlich?

Nein, Mediator war in Deutschland nie zugelassen. Laut EMA gab es benfluorexhaltige Tabletten in Frankreich und Portugal. Seit 2010 sind alle Zulassungen in der EU widerrufen.

Was hat Mediator mit Fenfluramin zu tun?

Im Körper wird aus Benfluorex Norfenfluramin, dasselbe Abbauprodukt wie bei Fenfluramin. Norfenfluramin aktiviert den Serotonin-Rezeptor 5-HT2B an den Herzklappen, was die Schäden erklären kann. Mehr unter Fenfluramin.

Kann man Mediator heute noch kaufen?

Legal nicht. Benfluorex ist EU-weit seit 2010 widerrufen. Angebote im Netz sind ein Fälschungsrisiko, und selbst echte Ware wäre gefährlich. Sprich mit deinem Arzt über zugelassene Mittel wie Wegovy oder Xenical.

Wer ist Irène Frachon?

Eine Lungenfachärztin aus Brest. Sie entdeckte den Zusammenhang zwischen Mediator und Herzklappenschäden, alarmierte ab 2008 Behörden und Medien und veröffentlichte 2010 eine Studie und das Buch „Mediator 150 mg, combien de morts?“.

Ich habe früher Mediator genommen. Was soll ich tun?

Sprich deinen Arzt darauf an, vor allem bei Atemnot, Leistungsknick oder Herzgeräuschen. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens zeigt, ob die Klappen geschädigt sind.

JK

Jörg KellerAutor, Sportler, früher 120 kg. Hat ohne Spritze 40 kg abgenommen und weiß deshalb, wie viel Disziplin das kostet und wie viel die Spritze davon abnimmt. Seit über 20 Jahren in der Telemedizin unterwegs. Mehr über mich

Quellen
  • Benfluorex – Article 107 procedures (referral) – EMA 2010
    ema.europa.eu
  • Benfluorex and Unexplained Valvular Heart Disease: A Case-Control Study – PLOS ONE 2010
    journals.plos.org
  • Evidence for possible involvement of 5-HT2B receptors in the cardiac valvulopathy associated with fenfluramine – Circulation 2000
    doi.org
  • Extraordinary meeting to finalise review of anorectic agents – EMEA/CPMP 1999
    ema.europa.eu
  • Benfluorex and valvular heart disease: a cohort study of a million people with diabetes mellitus – Pharmacoepidemiology and Drug Safety 2010
    doi.org
  • Französischer Heilmittelskandal vor Gericht – NZZ 2019
    nzz.ch
  • Mediator: appeal judgment better reflects the harm caused – Prescrire
    prescrire.org
  • Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1) – NEJM 2021
    nejm.org
  • Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1) – NEJM 2022
    nejm.org