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Alte Abnehmmittel
⛔ Vom Markt seit 1997💊 Wirkstoff Fenfluramin✓ Legale Alternativen

Fenfluramin: Satt gemacht, Herzklappen kaputt

Fenfluramin war der Appetitzügler, der nicht aufputscht. Ärzte liebten ihn, in den USA wurde er als Fen-Phen zum Massenphänomen. Im September 1997 war er weltweit verschwunden, weil bei Anwenderinnen Herzklappen undicht wurden. Heute ist derselbe Wirkstoff zurück, allerdings gegen eine seltene Epilepsie und nicht gegen Kilos.

Aktualisiert: November 2026 · Jörg Keller · Lesezeit 13 Min.

Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Fenfluramin und seine rechtsdrehende Form Dexfenfluramin dämpften den Appetit über Serotonin, nicht über Aufputschen
  • In den USA wurde Fenfluramin mit Phentermin als Fen-Phen kombiniert, 1996 gab es dort über 18 Millionen Verschreibungen
  • 1997 beschrieb die Mayo Clinic 24 Frauen mit geschädigten Herzklappen, am 15. September 1997 verschwanden die Mittel weltweit
  • Seit 2020 ist Fenfluramin in der EU als Fintepla gegen seltene Epilepsien zugelassen, zum Abnehmen nicht
  • Heute treten ärztlich verordnete GLP-1-Medikamente an seine Stelle, die über Sättigungshormone wirken
Fenfluramin: Satt gemacht, Herz kaputt
Präparat-SteckbriefAls Abnehmmittel vom Markt seit 1997
  • Abnehmwirkung
  • Sicherheit
  • Studienlage
  • Heute erhältlich

Damals versprochen …ein Appetitzügler ohne Suchtgefahr und ohne Herzrasen, der den Hunger einfach leiser dreht und sich sogar mit anderen Mitteln kombinieren lässt.

Was wirklich passierte …bei vielen Anwenderinnen wurden Herzklappen dick und undicht, dazu kam Lungenhochdruck. Nach über drei Jahrzehnten am Markt war innerhalb weniger Tage Schluss.

WirkstoffFenfluramin (Gemisch beider Formen) und Dexfenfluramin (rechtsdrehende Form)
HandelsnamenPonderax, Ponderax retard, Isomeride (Deutschland), Pondimin, Redux (USA), heute Fintepla (Epilepsie)
WirkprinzipSetzt Serotonin frei und bremst seine Wiederaufnahme, das Gehirn meldet früher „satt“
Auf dem MarktAb den 1960er-Jahren (Frankreich) bis September 1997
Status heuteAls Abnehmmittel weltweit vom Markt, in Deutschland Zulassung 1997 ruhend gestellt und später widerrufen. Seit 2020 als Fintepla nur gegen Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom
GrundHerzklappenschäden und Lungenhochdruck

Was ist Fenfluramin?

Fenfluramin ist chemisch ein Verwandter des Amphetamins, hat mit dessen Wirkung aber wenig gemein. Statt wach und nervös zu machen, dämpfte es den Appetit über den Botenstoff Serotonin. Entwickelt wurde es Anfang der Sechzigerjahre, der Einsatz als Appetitzügler begann in Frankreich. In Deutschland vertrieb der französische Hersteller Servier zwei Präparate, die du heute noch googelst.

💊Ponderax

Enthielt das Gemisch aus links- und rechtsdrehendem Fenfluramin, auch als Retardform. Die ganze Geschichte steht unter Ponderax.

🧪Isomeride

Enthielt nur die rechtsdrehende Hälfte, das Dexfenfluramin. Mehr dazu unter Isomeride.

🇺🇸Pondimin und Redux

Die US-Namen. Pondimin (Fenfluramin) war dort seit 1973 zugelassen, Redux (Dexfenfluramin) erst seit 1996.

Wie viele Menschen das Mittel genommen haben, weiß niemand genau. Eine viel zitierte Schätzung, die unter anderem in einem Studienprotokoll des heutigen Fintepla-Herstellers steht, nennt rund 50 Millionen Menschen allein in Europa zwischen 1963 und 1996. Das ist eine Hochrechnung, keine Zählung. Sie zeigt aber, wie normal Fenfluramin damals war. Alle anderen Mittel aus dieser Zeit findest du in der Übersicht Alte Abnehmmittel.

Warum der Name heute wieder auftaucht: Fenfluramin hat eine zweite Karriere hinter sich und kam unter neuem Namen zurück in die Apotheke. Wer „Fenfluramin kaufen“ sucht, landet deshalb oft bei Fintepla. Das ist ein Epilepsiemittel mit Sonderrezept, kein Abnehmmittel.

So wirkte Fenfluramin im Körper

Die Idee war elegant. Sättigung entsteht zu einem großen Teil im Kopf. Fenfluramin setzte genau dort an.

🧠Serotonin frei

Der Wirkstoff leert die Serotonin-Speicher der Nervenzellen und bremst die Wiederaufnahme. Das Gehirn liest das als Sättigung.

😴Kein Kick

Anders als Preludin oder Amfepramon kein Herzrasen, kein Rausch. Genau das galt als großer Vorteil.

❤️Der Haken

Serotonin wirkt nicht nur im Gehirn. Es sitzt auch an Rezeptoren der Herzklappen und Lungengefäße.

Was am Herzen passierte, wurde erst Jahre nach dem Rückruf richtig verstanden. Im Körper entsteht aus Fenfluramin das Abbauprodukt Norfenfluramin. Eine Arbeitsgruppe um Richard Rothman zeigte im Jahr 2000 in der Fachzeitschrift Circulation, dass dieser Stoff einen bestimmten Serotonin-Rezeptor namens 5-HT2B stark aktiviert. Die Forscher folgerten, dass genau dieser Rezeptor für die Klappenschäden nötig sein dürfte.

Unter dem Mikroskop sahen die betroffenen Klappen aus wie bei zwei anderen bekannten Ursachen, dem Karzinoid-Syndrom mit seinem Serotonin-Überschuss und der Einnahme bestimmter Mutterkorn-Abkömmlinge. Die Klappen waren glänzend weiß, verdickt und an den Rändern verändert, so beschrieb es der Arzneimittelbrief 1997. Eine verdickte Klappe schließt nicht mehr dicht, das Blut fließt zurück.

Für dich wichtig: Ein Mittel, das „nur“ satt macht, ist nicht automatisch harmlos. Fenfluramin hat keine Sucht erzeugt, aber an einer Stelle gewirkt, an die beim Abnehmen niemand gedacht hat. Die Forscher empfahlen deshalb, Serotonin-Wirkstoffe gezielt auf diesen Rezeptor zu prüfen.

Fen-Phen: der Cocktail, der nie zugelassen war

In Deutschland war Fenfluramin ein Rezeptmittel unter vielen. In den USA bekam es einen eigenen Spitznamen. Ärzte kombinierten es mit Phentermin, einem klassischen Aufputsch-Appetitzügler. Die Logik dahinter war, dass sich die dämpfende und die anregende Wirkung ausgleichen.

Zugelassen war diese Kombination nie. Phentermin hatte in den USA seit 1959 eine Zulassung für die kurzfristige Einzelanwendung, Fenfluramin seit 1973, Dexfenfluramin seit 1996, jeweils als einzelnes Mittel. Eine Studie um den US-Pharmakologen Weintraub hatte die Kombination 1984 getestet, eine Zulassung folgte daraus nie. Trotzdem wurde Fen-Phen millionenfach verordnet, laut Cleveland Clinic Journal of Medicine allein 1996 über 18 Millionen Mal.

Was Fen-Phen versprach

  • Doppelte WirkungZwei Mittel mit unterschiedlichem Ansatz sollten den Hunger stärker bremsen.
  • Weniger NebenwirkungenPhentermin sollte die Müdigkeit durch Fenfluramin ausgleichen und umgekehrt.
  • Schnelle ErfolgeDer Hunger sollte sofort leiser werden, ohne dass man sich aufgedreht fühlt.

Was Fen-Phen brachte

  • Keine ZulassungDie Kombination war nie als solche geprüft worden.
  • HerzklappenschädenDie Fallserie der Mayo Clinic betraf ausschließlich Frauen unter Fen-Phen.
  • LungenhochdruckEine seltene, schwere Erkrankung, die schon vorher mit Fenfluramin in Verbindung gebracht wurde.

Phentermin selbst war vom Rückruf 1997 nicht betroffen, weil die Klappenschäden dem Fenfluramin-Anteil zugeschrieben wurden. In Deutschland war Phentermin damals nicht zugelassen. Wie es mit dem Wirkstoff weiterging, liest du unter Adipex retard und Qsymia.

Die Geschichte: Aufstieg und Absturz

Über drei Jahrzehnte war Fenfluramin ein ganz normales Medikament. Das Ende kam dann in wenigen Wochen.

  • 1960er
    Fenfluramin kommt in Frankreich als Appetitzügler auf den Markt, später in vielen weiteren Ländern.
  • 1973
    Die US-Behörde FDA lässt Fenfluramin als Pondimin zu.
  • 1996
    Eine internationale Studie aus vier europäischen Ländern verknüpft Appetitzügler, vor allem Fenfluramin-Abkömmlinge, mit Lungenhochdruck. Im selben Jahr lässt die FDA Dexfenfluramin als Redux zu. Fen-Phen erreicht seinen Höhepunkt.
  • Juli 1997
    Ärzte der Mayo Clinic um Heidi Connolly berichten über 24 Frauen mit Herzklappenschäden nach Fen-Phen. Im August erscheint die Fallserie im New England Journal of Medicine.
  • 15. September 1997
    Auf Bitten der FDA nehmen die Hersteller Pondimin und Redux zurück. Weltweit verschwinden Fenfluramin und Dexfenfluramin vom Markt.
  • 17. bis 23. September 1997
    Servier stoppt per Rote-Hand-Brief Ponderax und Isomeride. Das BfArM ordnet am 23. September das Ruhen der Zulassung und den Rückruf aller Chargen an.
  • 1999
    Der US-Konzern American Home Products bietet bis zu 3,75 Milliarden Dollar für einen Vergleich mit Betroffenen.
  • 2020
    Die EU lässt Fenfluramin als Fintepla gegen Anfälle beim Dravet-Syndrom zu.

Jetzt mal ehrlich: Dreißig Jahre lang hat niemand systematisch ins Herz geschaut. Klappenschäden sind eine ungewöhnliche Nebenwirkung, das arznei-telegramm schrieb 1997, dass weder Studien noch Abnehmprogramme darauf geachtet hatten. Man findet nur, wonach man sucht.

Sammelklagen und Milliarden

Schon im Oktober 1997 sah das arznei-telegramm eines der größten Schadenersatzverfahren auf die Hersteller zukommen. Genau so kam es, in den USA rollte eine Klagewelle an.

⚖️Der Vergleich von 1999

Im Oktober 1999 bot American Home Products, der Mutterkonzern von Wyeth-Ayerst, bis zu 3,75 Milliarden Dollar. Damals galt das als größter Vergleich gegen einen Pharmakonzern.

🩺Was Betroffene bekamen

Erstattung der Medikamentenkosten, Herzuntersuchungen, medizinische Leistungen und Entschädigung bei schweren Klappenschäden.

🇩🇪In Deutschland

Fen-Phen gab es hier nicht. Servier betonte 1997, ein Zusammenhang sei nicht gesichert, und nannte den Rückzug eine Vorsichtsmaßnahme.

Servier holte das Thema später in Frankreich wieder ein. Der verwandte Wirkstoff Benfluorex, verkauft als Mediator, blieb dort im Handel und wurde von vielen Ärzten als Appetitzügler verschrieben. Erst 2009 wurde die Zulassung ausgesetzt. Eine Schätzung von 2012 geht von rund 1.300 Todesfällen in Frankreich aus. In Deutschland war Benfluorex nie zugelassen. Die Details stehen unter Mediator und Benfluorex.

Ein Mittel, das den Hunger nimmt und dafür das Herz kostet, ist kein Fortschritt. Es ist eine Wette, die du nicht gewinnen kannst.Jörg Keller

Was die Studien gezeigt haben

Zur Wirkung auf die Waage gibt es bei Fenfluramin wenig Spektakuläres. Es nahm den Appetit, die Leute aßen weniger, sie nahmen ab. Das Rheinische Ärzteblatt hielt 1997 fest, dass keine klinische Studie je gezeigt hatte, dass Appetitzügler Folgekrankheiten des Übergewichts verhindern oder das Leben verlängern. Spannend sind deshalb die Studien zu den Risiken.

StudieUmfangErgebnis
Abenhaim u. a., NEJM 199695 Patienten mit Lungenhochdruck, 355 KontrollenAppetitzügler länger als drei Monate, Risiko rund 23-fach erhöht
Connolly u. a., NEJM 1997 (Mayo Clinic)24 Frauen nach Fen-PhenKlappenschäden rechts und links im Herzen, 8 mit Lungenhochdruck, 5 brauchten eine Herz-OP
US-Gesundheitsministerium, MMWR 19975 Ultraschall-Erhebungen, 284 Anwender32,8 Prozent mit relevanter Klappenundichtigkeit
Khan u. a., NEJM 1998233 Behandelte, 233 KontrollenKlappenschäden bei 22,7 gegen 1,3 Prozent
Rothman u. a., Circulation 2000LaborstudieAbbauprodukt Norfenfluramin aktiviert den Rezeptor 5-HT2B

Undichte Herzklappen im Ultraschall

Anteil mit Klappenschäden, Khan u. a., NEJM 1998, 233 Paare

Mit (Dex-)Fenfluramin
22,7 %
Ohne Appetitzügler
1,3 %

Wichtig ist ein Detail aus der Khan-Studie. Das Risiko war nicht nur bei Fen-Phen erhöht, sondern auch bei Dexfenfluramin allein. Der Schaden hing also am Fenfluramin-Wirkstoff, nicht an der Kombination. Bei der Mayo-Fallserie hatten 8 von 24 Frauen zusätzlich einen neu festgestellten Lungenhochdruck, also ein Drittel. Ältere Texte, auch unsere eigenen, sprachen hier von „mehr als der Hälfte“. Die Originalarbeit gibt das nicht her.

Fintepla: das Comeback als Epilepsiemittel

Jetzt der überraschende Teil. Fenfluramin ist wieder zugelassen. Die EU-Kommission erteilte am 18. Dezember 2020 die Zulassung für Fintepla, heute vertrieben von UCB. Seit 1. Februar 2021 ist es in Deutschland im Handel. Es hilft gegen Anfälle beim Dravet-Syndrom und inzwischen auch beim Lennox-Gastaut-Syndrom, zwei seltenen, schweren Epilepsien des Kindesalters.

Damals: Appetitzügler

  • ZweckAbnehmen
  • Mengehoch
  • Herzultraschallkeiner
  • Rezeptnormales Rezept
  • ErgebnisRückruf 1997
VS
Kontrolliert

Heute: Fintepla

  • Zweckseltene Epilepsien
  • Mengedeutlich niedriger
  • HerzultraschallPflicht
  • RezeptVerschreiber-ID nötig
  • Abnehmennicht zugelassen

Laut EMA traten die Klappenschäden und der Lungenhochdruck bei den hohen Mengen von früher auf, bei der niedrigeren Epilepsie-Dosierung wurden sie in den Studien nicht berichtet. Trotzdem gelten strenge Regeln. Laut Fachinformation gibt es einen Herzultraschall vor dem Start, in den ersten zwei Jahren alle sechs Monate, danach jährlich und noch einmal drei bis sechs Monate nach dem Absetzen. Apotheken dürfen Fintepla nur abgeben, wenn auf dem Rezept die Verschreiber-ID des zertifizierten Arztes steht.

Fintepla ist kein Abnehmmittel. Appetitverlust steht zwar als häufige Nebenwirkung im Beipackzettel, das macht es aber nicht zur Diätpille. Es ist ausschließlich für schwere kindliche Epilepsien zugelassen und wird nur über ein kontrolliertes Programm abgegeben. Genau das, was 1997 gefehlt hat, ist heute Pflicht.

Fenfluramin kaufen? Warum das keine Option ist

Die kurze Antwort lautet nein. Als Abnehmmittel gibt es Fenfluramin nirgends legal. Ponderax und Isomeride werden seit 1997 nicht mehr hergestellt, Fintepla bekommst du nur mit Sonderrezept für eine Epilepsie. Wer dir im Netz „Fenfluramin zum Abnehmen“ anbietet, verkauft dir entweder eine Fälschung oder etwas, das gar nicht drin ist, was draufsteht.

So sieht der Graumarkt aus: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit fand in den meisten untersuchten Schlankheitsmitteln aus dem Netz Wirkstoffe, die nicht auf dem Etikett standen, etwa Sibutramin, Rimonabant oder Abführmittel. Die Verbraucherzentrale warnt, dass verstecktes Sibutramin oft in höherer Menge drinsteckt als im früheren Medikament. Verkauft wird so etwas gern als „rein pflanzlich“. Mehr dazu unter Sibutramin und Fatburner im Check.

Du hast Fenfluramin früher genommen? Die US-Gesundheitsbehörden empfahlen 1997 allen Betroffenen eine ärztliche Untersuchung mit Abhören des Herzens und bei Beschwerden wie Luftnot oder neuem Herzgeräusch einen Herzultraschall. Erwähne die Einnahme beim Hausarzt oder Kardiologen, auch wenn sie Jahrzehnte her ist.

Was heute statt Fenfluramin hilft

Fenfluramin hat versucht, dem Gehirn Sättigung vorzuspielen. Die Idee war nicht falsch, nur der Weg. Heute gibt es Medikamente, die genau das tun, und zwar über ein Hormon, das dein Körper nach dem Essen sowieso ausschüttet.

Damals: FenfluraminHeute: GLP-1
AngriffspunktSerotonin im Gehirn, leider auch an HerzklappenSättigungshormon GLP-1
WirkungHunger gedämpftHunger gedämpft, Magen leert sich langsamer
Gewichtsverlust in Studienmoderat, Langzeitnutzen nie belegtrund 15 bis 20 Prozent
HerzsicherheitKlappenschäden belegtvor der Zulassung geprüft
Statusals Abnehmmittel weltweit vom Marktzugelassen, rezeptpflichtig
💉
Heute statt Fenfluramin

Sättigung über Hormone statt über Serotonin

Fenfluramin hat das Serotonin im Gehirn hochgedreht und dabei Herzklappen getroffen. GLP-1-Medikamente wie Wegovy und Mounjaro ahmen dagegen ein körpereigenes Sättigungshormon nach. Du wirst früher satt, der Magen leert sich langsamer, der Heißhunger wird leiser. In der Studie STEP 1 verloren Teilnehmer mit Semaglutid 2,4 mg im Schnitt rund 15 Prozent ihres Gewichts, in SURMOUNT-1 mit Tirzepatid rund 20 Prozent.

  • Disziplin brauchst du trotzdem. Die Spritze vermittelt sie dir aber, weil sich neue Gewohnheiten bilden, während der Hunger gedämpft ist.
  • Rezeptpflicht ist Schutz. Ein Arzt prüft, ob das Mittel passt, in der Regel ab BMI 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung.
  • Nebenwirkungen gibt es auch hier. Vor allem Übelkeit und Verdauungsprobleme, Details unter Nebenwirkungen von Abnehmspritzen.
  • Finger weg vom Graumarkt. Auch GLP-1-Präparate werden gefälscht, wie du sie erkennst, steht unter Abnehmspritzen-Fälschungen.

Den Überblick gibt es unter Abnehmspritzen und Abnehmtabletten, die beiden wichtigsten Mittel im Detail unter Wegovy und Mounjaro.

Am Grundprinzip ändert kein Medikament etwas. Abnehmen ist Mathematik. Du nimmst ab, wenn du weniger isst, als du verbrauchst. Wie viel das bei dir ist, rechnest du mit Kalorienverbrauch ermitteln aus. Ich habe meine 40 Kilo ohne Spritze verloren, mit einem Plan, den du in meiner Abnehm-Anleitung findest. Alle zugelassenen Mittel stehen unter Medikamente zum Abnehmen.

Fazit: Taugt Fenfluramin heute was?

Als Abnehmmittel nicht, und zwar endgültig. Fenfluramin hat geschafft, was es versprochen hat, es hat den Hunger gedämpft. Den Preis zahlten Herzklappen und Lungengefäße, und das bei einem Mittel, das als besonders sanft galt. Die Geschichte ist eine Warnung vor jeder Pille, die „nur satt macht“. Als Fintepla tut der Wirkstoff heute in kleiner Menge und unter strenger Kontrolle Gutes, für Kinder mit schweren Epilepsien. Wer abnehmen will, hat heute bessere und geprüfte Optionen.

6,0Note
Mein Urteil

Als Abnehmmittel seit 1997 weltweit vom Markt, belegte Herzklappenschäden, kein legaler Bezug. Fenfluramin gehört zum Abnehmen ins Museum, als Epilepsiemittel in die Hände von Fachärzten.

Den Hunger dämpfen, ohne das Herz zu riskieren?

Ein ärztlich verschriebenes GLP-1-Medikament wirkt über Sättigungshormone, nicht über Serotonin. Alle seriösen Anbieter im Anbieter-Vergleich.

Häufige Fragen zu Fenfluramin

Was ist Fenfluramin?

Ein Wirkstoff aus der Amphetamin-Familie, der aber nicht aufputscht, sondern über Serotonin den Appetit dämpft. Bis 1997 steckte er in Ponderax und Isomeride, heute nur noch im Epilepsiemittel Fintepla.

Was war Fen-Phen?

Die in den USA beliebte Kombination aus Fenfluramin und Phentermin. Sie war nie als Kombination zugelassen, wurde 1996 aber über 18 Millionen Mal verschrieben.

Warum wurde Fenfluramin verboten?

Weil Anwender undichte Herzklappen und teils Lungenhochdruck entwickelten. Am 15. September 1997 nahmen die Hersteller auf Bitten der FDA die Mittel zurück, in Deutschland ordnete das BfArM den Rückruf an.

Kann man Fenfluramin heute noch kaufen?

Zum Abnehmen nicht, nirgends legal. Fintepla gibt es nur auf Sonderrezept bei Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom. Angebote im Netz sind Fälschungen mit unbekanntem Inhalt.

Ist Fintepla gefährlich fürs Herz?

In den Studien mit der niedrigen Epilepsie-Dosierung wurden laut EMA keine Klappenschäden berichtet. Trotzdem sind regelmäßige Herzultraschalle Pflicht, vor, während und nach der Behandlung.

Was hilft heute statt Fenfluramin?

Ab BMI 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung können Ärzte GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro verschreiben. Sie wirken über Sättigungshormone, mehr unter Abnehmspritzen.

JK

Jörg KellerAutor, Sportler, früher 120 kg. Hat ohne Spritze 40 kg abgenommen und weiß deshalb, wie viel Disziplin das kostet und wie viel die Spritze davon abnimmt. Seit über 20 Jahren in der Telemedizin unterwegs. Mehr über mich

Quellen
  • Rückruf von Ponderax (Fenfluramin) und Isomeride (Dexfenfluramin) – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Deutsches Ärzteblatt
    aerzteblatt.de
  • Marktrücknahme von Fenfluramin und Dexfenfluramin – arznei-telegramm 10/1997
    arznei-telegramm.com
  • Assoziation zwischen Herzklappenerkrankungen, pulmonaler Hypertonie und Fenfluramin-Phentermin-Kombinationstherapie – Der Arzneimittelbrief 1997
    der-arzneimittelbrief.com
  • Valvular Heart Disease Associated with Fenfluramine–Phentermine – New England Journal of Medicine 1997
    nejm.org
  • Appetite-suppressant drugs and the risk of primary pulmonary hypertension – New England Journal of Medicine 1996
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • The prevalence of cardiac valvular insufficiency assessed by transthoracic echocardiography in obese patients treated with appetite-suppressant drugs – New England Journal of Medicine 1998
    experts.umn.edu
  • Cardiac Valvulopathy Associated with Exposure to Fenfluramine or Dexfenfluramine – CDC, MMWR 1997
    cdc.gov
  • Evidence for possible involvement of 5-HT2B receptors in the cardiac valvulopathy associated with fenfluramine – Circulation 2000
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Fen-Phen und Herzklappenerkrankungen, Übersicht – Cleveland Clinic Journal of Medicine 1998
    ccjm.org
  • Sicherer verordnen, Fenfluramin und Dexfenfluramin – Rheinisches Ärzteblatt 1997
    aekno.de
  • American Home Products settles fen-phen lawsuits for $3.75 billion – The Pharma Letter 1999
    thepharmaletter.com
  • Der Mediator-Skandal in Frankreich – Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
    blog.endokrinologie.net
  • Fintepla, EPAR – Europäische Arzneimittel-Agentur
    ema.europa.eu
  • Fintepla, Fachinformation
    fachinfo.de
  • Fenfluramin beim Dravet-Syndrom verfügbar – Pharmazeutische Zeitung
    pharmazeutische-zeitung.de
  • Studienprotokoll ZX008 (Fenfluramin), Hintergrund zur Anwendung als Appetitzügler – ClinicalTrials.gov
    clinicaltrials.gov
  • Warnung vor illegalen Schlankheitsmitteln – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
    lgl.bayern.de
  • Lebensbedrohliches Sibutramin – Verbraucherzentrale
    verbraucherzentrale.de
  • Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1) – New England Journal of Medicine 2021
    nejm.org
  • Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1) – New England Journal of Medicine 2022
    nejm.org