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Alte Abnehmmittel
⛔ EU-Zulassung weg seit 2009🧪 Wirkstoff Rimonabant✓ Legale Alternativen

Rimonabant: Hunger aus, Laune gleich mit

Rimonabant sollte das Abnehmen revolutionieren, indem es genau den Schalter umlegt, der beim Kiffen den Fressflash auslöst. Der Hunger sank tatsächlich. Die Stimmung leider auch. Nach nur zweieinhalb Jahren war der Wirkstoff in Europa erledigt und hat eine ganze Wirkstoffklasse mit in den Abgrund gerissen.

Aktualisiert: November 2026 · Jörg Keller · Lesezeit 13 Min.

Das Wichtigste in 20 Sekunden
  • Rimonabant war der erste Blocker des Cannabinoid-Rezeptors CB1, in Europa verkauft als Acomplia
  • In Studien brachte er nach einem Jahr rund 4,7 Kilo mehr als Placebo, mehr nicht
  • Dafür traten psychiatrische Störungen wie Depression und Angst etwa doppelt so oft auf
  • Die FDA lehnte 2007 ab, die EU ließ die Zulassung 2008 ruhen und zog sie im Januar 2009 zurück
  • Heute dämpfen ärztlich verordnete GLP-1-Medikamente den Hunger über Sättigungshormone statt übers Belohnungssystem
Rimonabant: Hunger weg, Laune auch
Wirkstoff-SteckbriefZulassung zurückgenommen 2009
  • Abnehmwirkung
  • Sicherheit
  • Studienlage
  • Heute erhältlich

Damals versprochen …eine Pille, die nicht nur Kilos abbaut, sondern gleich Bauchfett, Blutfette und Blutzucker mit verbessert und nebenbei beim Rauchstopp hilft.

Was wirklich passierte …knapp fünf Kilo Vorsprung, dafür doppelt so viele psychische Nebenwirkungen, Suizide in laufenden Studien und das Aus nach zweieinhalb Jahren.

WirkstoffRimonabant (Laborname SR141716)
HandelsnamenAcomplia (EU), Zimulti (für die USA geplant, nie zugelassen)
WirkprinzipBlockade des Cannabinoid-Rezeptors CB1 im Gehirn und im Körper
Auf dem MarktJuni 2006 bis November 2008 (EU)
Status heuteEU-Zulassung am 16. Januar 2009 zurückgenommen, weltweit keine legale Quelle
GrundDepression, Angst, Suizidalität bei nur moderater Wirkung

Was ist Rimonabant?

Rimonabant ist ein synthetischer Wirkstoff aus den Laboren des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Unter dem Codenamen SR141716 wurde er 1994 in der Fachzeitschrift FEBS Letters als wirksamer und selektiver Blocker des Cannabinoid-Rezeptors im Gehirn vorgestellt. Damit war er der erste seiner Art. Zwölf Jahre später kam er als Acomplia in die europäischen Apotheken.

Auf dieser Seite geht es um den Wirkstoff und die Wissenschaft dahinter. Wie das Präparat Acomplia in Deutschland verkauft wurde und was heute in angeblichen Acomplia-Tabletten aus dem Netz steckt, liest du auf der Acomplia-Seite. Alle anderen verschwundenen Schlankmacher findest du in der Übersicht Alte Abnehmmittel.

🧪Neues Wirkprinzip

Kein Aufputschmittel wie Amfepramon, kein Fettblocker wie Orlistat. Rimonabant griff in ein bis dahin kaum genutztes System ein.

🎯Großes Versprechen

Sanofi testete den Wirkstoff gegen Übergewicht, gegen Stoffwechselrisiken und zur Raucherentwöhnung. Ein Blockbuster schien sicher.

⏱Kurzes Leben

Juni 2006 zugelassen, November 2008 aus dem Verkauf, Januar 2009 endgültig weg. In den USA kam er nie auf den Markt.

Zugelassen war Rimonabant in der EU für Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder mit einem BMI über 27 plus Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes oder erhöhten Blutfetten, immer als Ergänzung zu Diät und Bewegung. Die Zielgruppe war also genau die, für die heute Medikamente gegen Adipositas gedacht sind.

So wirkt ein CB1-Blocker im Körper

Jeder Mensch hat ein Endocannabinoid-System. Der Körper bildet eigene Botenstoffe, die an dieselben Rezeptoren andocken wie der Wirkstoff THC aus Cannabis. Der wichtigste davon heißt CB1. Er sitzt im Gehirn, aber auch im Fettgewebe, in der Leber, im Darm und in den Muskeln.

Wer schon mal gekifft hat, kennt die Folge einer CB1-Aktivierung. Plötzlich schmeckt alles doppelt so gut, und um Mitternacht steht man vor dem Kühlschrank. Die Idee hinter Rimonabant war deshalb bestechend einfach. Was passiert, wenn man diesen Rezeptor blockiert?

🍔Weniger Hunger

Im Gehirn dämpfte die Blockade Appetit und die Lust auf besonders schmackhaftes Essen.

🧠Weniger Belohnung

CB1 sitzt mitten im Belohnungssystem. Wer ihn blockiert, nimmt dem Essen den Kick, aber auch anderen schönen Dingen.

🫀Stoffwechsel

Außerhalb des Gehirns sollte die Blockade Fettgewebe und Leber beeinflussen und so Blutfette und Blutzucker verbessern.

Rimonabant wirkte direkt im Gehirn, und genau dort lag der Haken. Das Endocannabinoid-System steuert nicht nur den Appetit. Es regelt Stimmung, Stress, Angst und das Gefühl, dass sich etwas lohnt. Wer einen solchen Hauptschalter blockiert, kann nicht erwarten, dass nur der Hunger leiser wird.

Cannabis rückwärts: THC aus Cannabis aktiviert CB1 und macht Hunger. Rimonabant besetzte denselben Rezeptor und blockierte ihn. Das klingt nach einem eleganten Trick, nur hat der Rezeptor im Gehirn noch viele andere Jobs als den Appetit.

Die Geschichte: Aufstieg und Absturz

Kaum ein Abnehmmittel ist so schnell gestiegen und so tief gefallen. Von der Entdeckung bis zum Aus vergingen 15 Jahre, auf dem Markt war der Wirkstoff davon keine zweieinhalb Jahre.

  • 1994
    Sanofi beschreibt SR141716 als ersten selektiven Blocker des Cannabinoid-Rezeptors im Gehirn.
  • 2005
    Die Studie RIO-Europe erscheint im Lancet. Über zwei Drittel der Patienten verlieren mindestens fünf Prozent Gewicht, die Fachwelt ist elektrisiert.
  • 19. Juni 2006
    Die EU-Kommission erteilt die Zulassung für Acomplia. Bis 2008 wird das Mittel in 18 EU-Ländern verkauft.
  • 13. Juni 2007
    Das Beratergremium der FDA stimmt mit 14 zu 0 gegen eine Zulassung in den USA. Sanofi zieht den Antrag Ende Juni zurück.
  • Juli 2007
    Die EU verbietet Rimonabant bei schwerer Depression und zusammen mit Antidepressiva.
  • November 2007
    Eine Meta-Analyse im Lancet zeigt, dass Patienten unter Rimonabant 2,5-mal so oft wegen depressiver Verstimmung abbrechen.
  • 23. Oktober 2008
    Der Arzneimittelausschuss der EMA empfiehlt, die Zulassung ruhen zu lassen. Der Nutzen wiegt die Risiken nicht mehr auf.
  • Ende 2008
    Am 13. November ruht der Vertrieb in allen Mitgliedsstaaten. Sanofi stellt das gesamte Entwicklungsprogramm ein, auch die große Herzstudie CRESCENDO endet vorzeitig.
  • 16. Januar 2009
    Die EU-Kommission zieht die Zulassung endgültig zurück.

Der Fall Rimonabant reiht sich ein in eine lange Liste. Vor ihm verschwanden Fenfluramin wegen Herzklappenschäden, nach ihm Sibutramin wegen Herzinfarkten und Schlaganfällen. Jedes Mal klang die Idee gut, jedes Mal zahlten die Patienten den Preis.

Was die Studien gezeigt haben

Rimonabant war gut erforscht, das muss man fairerweise sagen. Das Zulassungsprogramm hieß RIO (Rimonabant in Obesity) und bestand aus vier großen Studien in Europa und Nordamerika, bei Menschen mit erhöhten Blutfetten und mit Typ-2-Diabetes. Alle Teilnehmer bekamen zusätzlich eine kalorienreduzierte Diät. Die bekannteste ist RIO-Europe.

RIO-Europe, Ergebnis nach einem Jahr

Anteil der Teilnehmer mit mindestens 5 bzw. 10 % Gewichtsverlust, Lancet 2005

≥ 5 %, Rimonabant
67,4 %
≥ 5 %, Placebo
30,5 %
≥ 10 %, Rimonabant
39,0 %
≥ 10 %, Placebo
12,4 %

Dazu schrumpfte der Bauchumfang um 6,5 statt 2,4 Zentimeter, das gute HDL-Cholesterin stieg, die Triglyzeride sanken. Auf dem Papier sah das nach einem echten Durchbruch aus. Ein Detail ging in der Euphorie unter. Rund 40 Prozent der Teilnehmer hatten die Studie nach einem Jahr abgebrochen, in beiden Gruppen.

Spannender als jede Einzelstudie ist die unabhängige Gesamtrechnung. Ein dänisches Team um Robin Christensen fasste 2007 die vier RIO-Studien mit 4.105 Teilnehmern zusammen.

StudieUmfangErgebnis
Meta-Analyse Christensen, Lancet 20074 RIO-Studien, 4.105 Teilnehmer4,7 kg mehr Gewichtsverlust als Placebo nach einem Jahr, aber 2,5-mal mehr Abbrüche wegen Depression und 3-mal mehr wegen Angst
STRADIVARIUS, JAMA 2008839 Patienten mit Herzkrankheit, 18 MonateKein signifikanter Effekt auf die Verkalkung der Herzkranzgefäße, psychische Symptome bei 43 statt 28 %
CRESCENDO, Lancet 201018.695 Patienten, im Mittel 13,8 MonateHerzinfarkt, Schlaganfall oder Herztod bei 3,9 statt 4,0 %, also kein Schutz fürs Herz
EMA-Bewertung 2008Zulassungs- und AlltagsdatenNur „moderat wirksam“, im Alltag brachen viele Patienten früh ab

Unterm Strich blieb ein mittelmäßiges Abnehmmittel. Knapp fünf Kilo in einem Jahr schaffst du mit einem täglichen Defizit von 500 Kalorien in gut zwei Monaten, ganz ohne Tablette. Wie du dein Defizit ausrechnest, steht unter Kalorienverbrauch ermitteln.

Jetzt mal ehrlich: Die große Hoffnung war nie das Gewicht, sondern das Herz. Sanofi wollte beweisen, dass Rimonabant Herzinfarkte verhindert. Die Studie CRESCENDO hat genau das gemessen und keinen Unterschied gefunden. Selbst wenn die Psyche mitgespielt hätte, wäre vom großen Versprechen nicht viel übrig geblieben.

Nebenwirkungen: die Psyche als Achillesferse

Die Nebenwirkungen waren kein Betriebsunfall, sie folgten direkt aus dem Wirkprinzip. Wer im Gehirn das System blockiert, das Belohnung und Stressabbau steuert, trifft die Stimmung mit. Neben Übelkeit, Durchfall und Schwindel tauchten deshalb vor allem psychiatrische Probleme auf.

Was Rimonabant konnte

  • Moderater GewichtsverlustRund 4,7 Kilo mehr als Placebo nach einem Jahr.
  • Weniger BauchumfangIm Schnitt einige Zentimeter mehr als unter Placebo.
  • Bessere BlutwerteEtwas mehr HDL, etwas weniger Triglyzeride, leicht besserer Blutzucker.
  • Neues WirkprinzipAls erstes Mittel zeigte es, dass das Endocannabinoid-System den Appetit steuert.

Was es kostete

  • Doppeltes PsychorisikoDepression, Schlafstörungen, Angst und Aggression etwa doppelt so oft wie unter Placebo.
  • Suizide in StudienVon Juni bis August 2008 fünf Suizide unter Rimonabant, einer unter Placebo, bei rund 36.000 Studienteilnehmern.
  • Kein HerzschutzCRESCENDO und STRADIVARIUS fanden keinen Vorteil bei Infarkten oder Gefäßverkalkung.
  • Risiko nicht vorhersehbarAuch Menschen ohne psychische Vorgeschichte wurden depressiv.

Am deutlichsten zeigte es CRESCENDO, die größte Studie mit dem Wirkstoff. Hier waren Menschen mit hohem Herzrisiko eingeschlossen, keine ausgewählten Musterpatienten.

CRESCENDO, psychische Nebenwirkungen

Anteil der Patienten, 18.695 Teilnehmer, Lancet 2010

Neuropsychiatrisch, Rimonabant
32 %
Neuropsychiatrisch, Placebo
21 %
Schwer psychiatrisch, Rimonabant
2,5 %
Schwer psychiatrisch, Placebo
1,3 %

In CRESCENDO kam es zu vier Suiziden unter Rimonabant und einem unter Placebo. Schon im Juli 2007 hatte die EU das Mittel bei schwerer Depression und zusammen mit Antidepressiva verboten. Im Mai 2008 folgte der Hinweis, dass Depressionen auch bei Menschen ohne jeden Risikofaktor außer Übergewicht auftreten können. Für die EMA war das der entscheidende Punkt. Gefährdete Patienten ließen sich vorab nicht zuverlässig erkennen, weitere Warnhinweise hätten das Risiko also nicht beherrschbar gemacht.

Warum die USA früher Nein sagten: Das Beratergremium der FDA sah die doppelte Rate an psychiatrischen Nebenwirkungen und stimmte im Juni 2007 einstimmig gegen die Zulassung. Europa hielt noch 16 Monate fest und setzte auf Warnhinweise. Das arznei-telegramm hielt die Rücknahme 2008 deshalb für überfällig und die Nutzen-Schaden-Bilanz für nie positiv.

Auch in Deutschland kamen die Meldungen an. Bis Ende November 2007 zählte die Datenbank von BfArM und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft 174 Verdachtsfälle zu Rimonabant, die meisten psychiatrisch. Wie das Präparat hierzulande verordnet und abgewickelt wurde, steht auf der Seite zu Acomplia.

Was aus den CB1-Blockern wurde

Rimonabant war nicht nur ein gescheitertes Medikament. Es hat eine ganze Forschungsrichtung für Jahre lahmgelegt. Auch andere Konzerne arbeiteten an CB1-Blockern, nach dem Fall Rimonabant wollte kaum noch jemand dieses Risiko tragen.

🛑Taranabant

Merck stoppte im Oktober 2008 seinen CB1-Blocker Taranabant. In Phase-3-Studien gab es zwar Gewichtsverlust, bei höheren Dosen aber mehr Nebenwirkungen.

🔬Neuer Anlauf

2023 kaufte Novo Nordisk für bis zu 1,075 Milliarden Dollar die Firma Inversago, deren CB1-Blocker bevorzugt außerhalb des Gehirns wirken soll.

⚠️Monlunabant

2024 brachte der Nachfolger in einer 16-Wochen-Studie mit 243 Teilnehmern in der niedrigsten Dosis 7,1 statt 0,7 Kilo. Angst, Reizbarkeit und Schlafstörungen nahmen aber mit der Dosis zu.

Die Geschichte wiederholt sich also im Kleinen. Selbst ein Wirkstoff, der gezielt am Gehirn vorbei arbeiten soll, zeigt wieder Nebenwirkungen auf der Psyche. Novo Nordisk schreibt selbst, dass weitere Arbeit nötig ist, um die richtige Balance zwischen Sicherheit und Wirkung zu finden. Bis ein CB1-Blocker wieder eine Zulassung bekommt, wenn überhaupt, werden noch Jahre vergehen.

Die Lehre aus Rimonabant: Seit diesem Fall schauen Behörden bei jedem neuen Abnehmmittel besonders genau auf Depression und Suizidgedanken. Das gilt auch für die modernen Medikamente, mit einem ganz anderen Ergebnis als damals. Dazu gleich mehr.

Damals vs. heute

Vergleicht man Rimonabant mit den Mitteln, die Ärzte heute bei Adipositas verordnen, sieht man vor allem eins. Der Angriffspunkt macht den Unterschied.

Rimonabant (2006–2008)GLP-1-Medikamente heute
AngriffspunktEndocannabinoid-System, Belohnung im GehirnSättigungshormon aus dem Darm
WirkprinzipNimmt dem Essen den Reiz, dämpft aber auch die StimmungLänger satt, Magen leert sich langsamer, weniger Heißhunger
Gewichtsverlust in StudienRund 4,7 kg mehr als Placebo nach einem JahrRund 15 % (Semaglutid, STEP 1) bis 20 % (Tirzepatid, SURMOUNT-1)
PsycheDepression und Angst etwa doppelt so oftEMA sieht 2024 keinen ursächlichen Zusammenhang mit Suizidgedanken
Häufigste NebenwirkungenÜbelkeit, Schwindel, Depression, Angst, SchlafstörungenÜbelkeit, Durchfall, Verstopfung, meist zu Beginn
StatusZulassung zurückgenommenZugelassen, rezeptpflichtig

Wichtig ist auch, was die Tabelle nicht zeigt. Die modernen Medikamente sind keine harmlosen Lifestyle-Pillen. Sie haben eigene Nebenwirkungen, die du unter Nebenwirkungen von Abnehmspritzen nachlesen kannst. Der Unterschied liegt darin, dass sie die Psyche nach heutigem Wissen nicht so treffen wie damals Rimonabant.

Was heute statt Rimonabant hilft

Rimonabant wollte den Hunger über das Belohnungssystem abschalten. Die heutigen Medikamente gehen den umgekehrten Weg und verstärken ein Signal, das der Körper ohnehin schickt, nämlich „Ich bin satt“.

💉
Heute statt Rimonabant

Sättigungshormon statt Stimmungsdämpfer

Rimonabant war ein Blocker im Belohnungssystem. Er nahm dem Essen den Reiz und oft auch dem Leben. GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro ahmen dagegen ein körpereigenes Sättigungshormon nach. Du bist schneller satt, der Magen leert sich langsamer, der Heißhunger wird leiser. In den großen Studien verloren Teilnehmer mit Semaglutid 2,4 mg rund 15 Prozent ihres Gewichts (STEP 1), mit Tirzepatid rund 20 Prozent (SURMOUNT-1). Das ist ein Vielfaches dessen, was Rimonabant je geschafft hat.

  • Anderer Angriffspunkt. GLP-1 wirkt über Darm und Sättigungszentrum, nicht über das Cannabinoid-System.
  • Psyche geprüft. Nach den Erfahrungen mit Rimonabant hat die EMA genau hingeschaut und 2024 keinen ursächlichen Zusammenhang mit Suizidgedanken gefunden.
  • Disziplin bleibt. Du musst trotzdem weniger essen. Die Spritze vermittelt die Disziplin aber, weil sich neue Gewohnheiten bilden, während der Hunger gedämpft ist.
  • Spritze oder Tablette. Es gibt wöchentliche Pens und inzwischen auch Tabletten, mehr unter Abnehmtabletten.

Alle diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ein Arzt prüft, ob sie für dich infrage kommen, in der Regel ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Einen Überblick gibt es unter Abnehmspritzen, alle zugelassenen Mittel inklusive Orlistat und Mysimba unter Medikamente zum Abnehmen.

Ich habe meine 40 Kilo ohne Spritze und ohne Pille verloren, mit Kalorienzählen und Sturheit. Das klappt, ist aber verdammt hart. Wer ärztlich begleitet ein modernes Medikament nutzt, macht es sich leichter, solange er die Zeit nutzt, um neue Gewohnheiten aufzubauen. Wie das ohne Medikament geht, steht in meiner Abnehm-Anleitung.

Fazit: Taugt Rimonabant heute noch was?

Nein. Rimonabant war wissenschaftlich ein spannender Ansatz und hat gezeigt, wie stark das Endocannabinoid-System unser Essverhalten steuert. Als Medikament war es ein Fehlschlag. Knapp fünf Kilo Vorsprung standen einem doppelten Risiko für Depression und Angst gegenüber, dazu kam kein Nutzen fürs Herz. Heute gibt es den Wirkstoff nirgends legal, und das ist gut so.

6,0Note
Mein Urteil

Kluge Idee, gefährliche Umsetzung. Rimonabant hat den Hunger gedämpft und die Lebensfreude gleich mit. Heute nicht erhältlich, nicht nötig und durch deutlich wirksamere Mittel ersetzt.

Wer den Appetit über die Laune abschaltet, verliert am Ende mehr als nur Kilos.Jörg Keller
Hunger dämpfen, ohne die Psyche zu blockieren?

Ein ärztlich verschriebenes GLP-1-Medikament wirkt über das Sättigungshormon und gibt neuen Gewohnheiten Zeit. Alle seriösen Anbieter im Anbieter-Vergleich.

Häufige Fragen zu Rimonabant

Was ist Rimonabant?

Rimonabant ist ein Wirkstoff, der den Cannabinoid-Rezeptor CB1 blockiert und dadurch den Appetit dämpft. In der EU war er von 2006 bis 2008 als Acomplia zur Behandlung von Übergewicht auf dem Markt.

Warum wurde Rimonabant verboten?

Weil psychiatrische Nebenwirkungen wie Depression, Angst und Schlafstörungen etwa doppelt so oft auftraten wie unter Placebo und es in Studien zu Suiziden kam. Die EMA kam 2008 zu dem Schluss, dass der Nutzen die Risiken nicht mehr aufwiegt. Im Januar 2009 wurde die Zulassung zurückgenommen.

Wie viel hat man mit Rimonabant abgenommen?

In der Meta-Analyse der vier RIO-Studien waren es nach einem Jahr rund 4,7 Kilo mehr als mit Placebo. Die EMA stufte die Wirkung als moderat ein, im Alltag brachen viele früh ab.

Kann man Rimonabant heute noch kaufen?

Legal nicht, weder in Deutschland noch sonst wo. Was im Netz als Rimonabant oder Acomplia angeboten wird, stammt aus dubiosen Quellen und kann Verunreinigungen oder ganz andere Wirkstoffe enthalten. Was Labore in solchen Tabletten gefunden haben, steht auf der Seite zu Acomplia.

Ist Rimonabant dasselbe wie CBD?

Nein. CBD ist ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Rimonabant ist ein im Labor entwickelter Wirkstoff, der den CB1-Rezeptor gezielt blockiert, also eher das Gegenteil dessen bewirkt, was THC aus Cannabis tut.

Gibt es einen Nachfolger von Rimonabant?

Zugelassen ist keiner. Novo Nordisk testet mit Monlunabant einen neuen CB1-Blocker, der bevorzugt außerhalb des Gehirns wirken soll. In einer Studie 2024 zeigten sich aber wieder Angst, Reizbarkeit und Schlafstörungen, abhängig von der Dosis.

JK

Jörg KellerAutor, Sportler, früher 120 kg. Hat ohne Spritze und ohne Pille 40 kg abgenommen und seit über 20 Jahren in der Telemedizin jedes Wundermittel kommen und gehen sehen, Rimonabant eingeschlossen. Mehr über mich

Quellen
  • Acomplia (rimonabant), EPAR und Rücknahme der Zulassung – Europäische Arzneimittel-Agentur
    ema.europa.eu
  • The European Medicines Agency recommends suspension of the marketing authorisation of Acomplia – Europäische Arzneimittel-Agentur
    ema.europa.eu
  • Questions and answers on the recommendation to suspend the marketing authorisation of Acomplia – Europäische Arzneimittel-Agentur
    ema.europa.eu
  • SR141716A, a potent and selective antagonist of the brain cannabinoid receptor – FEBS Letters 1994
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Efficacy and safety of the weight-loss drug rimonabant, a meta-analysis of randomised trials – Lancet 2007
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • RIO-Europe, Rimonabant in Obesity – American College of Cardiology
    acc.org
  • STRADIVARIUS, Effect of rimonabant on progression of atherosclerosis – American College of Cardiology
    acc.org
  • CRESCENDO, Comprehensive Rimonabant Evaluation Study of Cardiovascular Endpoints and Outcomes – American College of Cardiology
    acc.org
  • Psychiatrische UAW unter Rimonabant – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
    akdae.de
  • Rimonabant (Acomplia) vom Markt – arznei-telegramm 11/2008
    arznei-telegramm.com
  • FDA panel rejects Sanofi diet drug – CNN Money 2007
    money.cnn.com
  • Development of taranabant for obesity discontinued – Managed Healthcare Executive 2008
    managedhealthcareexecutive.com
  • Monlunabant phase 2a trial in obesity successfully completed – Novo Nordisk 2024
    novonordisk.com
  • Meeting highlights from the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee, 8–11 April 2024 – Europäische Arzneimittel-Agentur
    ema.europa.eu
  • Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1) – NEJM 2021
    nejm.org
  • Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1) – NEJM 2022
    nejm.org