Tenuate Retard: Der Hungerkiller flog 2023 raus
Eine Tablette am Morgen, und der Hunger war weg. So kannten viele Tenuate Retard, den langsam wirkenden Appetitzügler mit Amfepramon. Seit Dezember 2022 gibt es ihn in Deutschland nicht mehr, seit dem 13. Januar 2023 ist die Zulassung EU-weit widerrufen. Hier steht, warum, und was heute an seine Stelle tritt.
Aktualisiert: November 2026 · Jörg Keller · Lesezeit 12 Min.
- Tenuate Retard enthielt Amfepramon, einen Amphetamin-Abkömmling, der den Hunger über das Gehirn dämpfte
- Zugelassen war es nur ab BMI 30, für vier bis sechs Wochen und nie länger als drei Monate
- Ärzte verschrieben es trotzdem jahrelang, teils bis zu 20 Jahre, auch bei Herzkranken und Schwangeren
- Die EU-Kommission widerrief alle Zulassungen am 13. Januar 2023 wegen Lungenhochdruck, Herzrisiken und Abhängigkeit
- Heute treten ärztlich verordnete GLP-1-Medikamente an seine Stelle, sie wirken über Sättigungshormone statt über Aufputschen

- Abnehmwirkung
- Sicherheit
- Studienlage
- Heute erhältlich
Damals versprochen …eine Tablette am Morgen, den ganzen Tag kein Hunger, schnelle Kilos für den Start in die Diät.
Was wirklich passierte …Dauereinnahme statt drei Monate, Verordnung trotz Herzleiden und Schwangerschaft, am Ende Widerruf in der ganzen EU.
| Wirkstoff | Amfepramon (in den USA Diethylpropion) |
|---|---|
| Handelsnamen | Tenuate Retard, gleicher Wirkstoff in Regenon und Amfepramon-Hormosan |
| Wirkprinzip | Sympathomimetikum, dämpft den Hunger über Noradrenalin im Gehirn |
| Auf dem Markt | In Deutschland bis Dezember 2022, Wirkstoff in den USA seit 1959 |
| Zulassungsinhaber | Artegodan GmbH, Lüchow |
| Status heute | Zulassung EU-weit widerrufen seit 13.01.2023 |
| Grund | Lungenhochdruck, Herz-Kreislauf-Risiken, Abhängigkeit, Einnahme weit über drei Monate |
- Was war Tenuate Retard?
- So wirkte Tenuate im Körper
- Die Geschichte: Zweimal verbannt
- Was Studien zu Amfepramon zeigen
- Nebenwirkungen und Risiken
- Warum heute noch alle nach Tenuate suchen
- Damals vs. heute
- Was heute statt Tenuate hilft
- Fazit: Taugt Tenuate heute noch was?
- Häufige Fragen zu Tenuate Retard
Was war Tenuate Retard?
Tenuate Retard war ein verschreibungspflichtiger Appetitzügler in Form einer Retardtablette. Die Zulassung hielt die Artegodan GmbH aus dem niedersächsischen Lüchow. Der Wirkstoff hieß Amfepramon, in den USA kennt man ihn als Diethylpropion. Dort ist er seit 1959 zugelassen, also aus einer Zeit, in der Hersteller ihre Wirksamkeit noch nicht mit kontrollierten Studien belegen mussten.
Wer heute nach alten Diätpillen sucht, landet früher oder später bei Tenuate. Es gehört in dieselbe Familie wie Regenon, das denselben Wirkstoff enthielt. Einen Überblick über alle verschwundenen Mittel findest du in meiner Rubrik Alte Abnehmmittel.
Die Tablette gab den Wirkstoff über Stunden ab. Eine Einnahme am Morgen sollte für den Tag reichen, ohne Wirkspitzen.
Zugelassen war Tenuate für Menschen mit einem BMI ab 30, bei denen eine Diät allein nicht gereicht hatte.
Vorgesehen waren vier bis sechs Wochen, höchstens drei Monate. Als Starthilfe gedacht, nicht als Dauerlösung.
Schon die Fachinformation sagte deutlich, wo die Grenzen lagen. Belegt war nur eine kurzfristige Wirkung aufs Gewicht. Ob Tenuate Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Diabetes verhindert, war nie gezeigt worden. Amfepramon steht zudem in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Niedrig dosierte Fertigarzneimittel waren davon ausgenommen und liefen über ein normales Rezept, ein Lifestyle-Produkt war Tenuate trotzdem nie.
So wirkte Tenuate im Körper
Amfepramon ist ein indirektes Sympathomimetikum. Das klingt kompliziert, ist aber simpel. Der Stoff sorgt dafür, dass im Gehirn mehr Noradrenalin an den Nervenenden bleibt. Dein Körper schaltet in einen leichten Alarmzustand, und in diesem Zustand ist Hunger Nebensache.
Fett verbrannt hat Tenuate nie. Es hat dich nur vom Essen abgehalten. Abnehmen ist Mathematik, und die Rechnung bleibt dieselbe, egal ob die Pille oder dein Kopf den Teller kleiner macht. Wer seinen Bedarf kennt, versteht das sofort, mein Rechner dazu steht unter Kalorienverbrauch ermitteln.
Jetzt mal ehrlich: Tenuate war chemisch erzwungene Disziplin. Sobald die Tablette weg war, war auch die Disziplin weg. Das Gewicht kam nicht wegen eines kaputten Stoffwechsels zurück, sondern weil wieder gegessen wurde wie vorher.
Die Geschichte: Zweimal verbannt
Tenuate ist kein Mittel, das einmal verboten wurde und dann verschwand. Es wurde zweimal verbannt, und beim ersten Mal haben die Hersteller vor Gericht gewonnen. Diese Geschichte erklärt, warum Amfepramon in Deutschland so lange überlebt hat.
- 1959
Diethylpropion, so heißt Amfepramon in den USA, wird dort zugelassen. Später kommen Präparate wie Tenuate und Regenon auch auf den deutschen Markt. - 1996
Die EU prüft erstmals die Sicherheit amphetaminartiger Appetitzügler. Es bleibt bei Anwendungsbeschränkungen. - 1999
Der Arzneimittelausschuss der EMA bescheinigt Amfepramon, Phentermin und weiteren Appetitzüglern fehlende therapeutische Wirksamkeit und empfiehlt den Widerruf. - 9. März 2000
Die EU-Kommission ordnet die Rücknahme der Zulassungen an. Mehrere Hersteller klagen, darunter Artegodan. - 2001
In Deutschland verschwinden mehrere Appetitzügler wie Regenon vorübergehend vom Markt. Gegen Tenuate läuft laut Stiftung Warentest noch ein Verfahren. - 26. November 2002
Das EU-Gericht erster Instanz erklärt die Entscheidungen für nichtig. Die Kommission sei nicht zuständig gewesen, und neue Daten habe es nicht gegeben. - 24. Juli 2003
Der Europäische Gerichtshof weist das Rechtsmittel der Kommission ab. Amfepramon darf bleiben. - Februar 2021
Auf Antrag der rumänischen Behörde startet die EMA ein neues Risikoverfahren. Zugelassen ist Amfepramon da nur noch in Deutschland, Dänemark und Rumänien. - Juni bis November 2022
Der Sicherheitsausschuss PRAC empfiehlt den Widerruf, bestätigt ihn nach erneuter Prüfung im Oktober, im November schließt sich die Koordinierungsgruppe CMDh an. - Dezember 2022
Artegodan verzichtet zum 1. Dezember auf die Zulassung, alle Chargen werden zurückgerufen. Ab Mitte Dezember ist Tenuate nicht mehr erhältlich. - 13. Januar 2023
Die EU-Kommission widerruft alle Amfepramon-Zulassungen, rechtsverbindlich für alle Mitgliedsstaaten.
Der Unterschied zwischen den beiden Anläufen ist entscheidend. Im Jahr 2000 ging es um zweifelhafte Wirksamkeit auf Basis alter Daten, das reichte den Richtern nicht. 2022 lagen neue Daten auf dem Tisch, und die zeigten, wie das Mittel im Alltag wirklich verordnet wurde.
Was Studien zu Amfepramon zeigen
Für ein Mittel, das über 60 Jahre auf dem Markt war, ist die Studienlage dünn. Die meisten Untersuchungen liefen nur wenige Wochen. Eine der wenigen längeren Studien erschien 2009 im International Journal of Obesity. 69 Erwachsene mit Adipositas bekamen sechs Monate lang entweder Diethylpropion oder ein Scheinmedikament, beide Gruppen zusammen mit einer kalorienreduzierten Diät.
Nach einem Jahr lag die Amfepramon-Gruppe bei 10,6 Prozent. Die ehemalige Placebo-Gruppe, die in der zweiten Hälfte ebenfalls den Wirkstoff bekam, bei 7,0 Prozent, der Unterschied war da nicht mehr signifikant. Blutdruck, Puls und psychiatrische Tests zeigten in dieser kleinen Gruppe keine Auffälligkeiten, am häufigsten waren Mundtrockenheit und Schlafstörungen.
Klingt ordentlich, hat aber zwei Haken. Die Studie war klein und überwacht, mit Kontrollen von Herz und Psyche. Der Alltag in Deutschland sah anders aus. Die EMA wertete zwei Untersuchungen zur tatsächlichen Verordnung in Deutschland und Dänemark aus, und die zeigten genau das, was die Fachinformation verbot.
| Was die Regeln vorsahen | Was in der Praxis passierte |
|---|---|
| Höchstens drei Monate | Einnahme weit darüber hinaus, laut Rote-Hand-Brief teils bis zu 20 Jahre |
| Nicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Verordnung auch an Menschen mit Herzleiden |
| Nicht bei psychischen Erkrankungen | Verordnung auch bei psychiatrischer Vorgeschichte |
| Nicht in der Schwangerschaft | Hinweise auf Einnahme während der Schwangerschaft |
| Nicht mit anderen Appetitzüglern | Kombination mit weiteren zentral wirksamen Mitteln |
Die EMA nannte das ein inakzeptables Maß an Nichteinhaltung der Sicherheitsregeln. Weil auch schärfere Auflagen nichts geändert hätten, blieb nur der Widerruf.
Nebenwirkungen und Risiken
Die Fachinformation von Tenuate Retard liest sich wie eine Warnung vor dem eigenen Produkt. Am häufigsten genannt wurden psychische Reaktionen, Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Herzrasen und Bluthochdruck. Dazu kommen die seltenen, aber schweren Folgen, wegen denen das Mittel am Ende fiel.
Was Tenuate konnte
- Hunger dämpfenIn den ersten Wochen aßen viele spürbar weniger.
- Schneller StartDie ersten Kilos kamen schnell, was motivierte.
- Einfache EinnahmeEine Retardtablette am Morgen, kein Spritzen.
Was Tenuate anrichten konnte
- LungenhochdruckSeltene, schwere und oft tödliche Erkrankung, Risiko höher bei Einnahme über drei Monate.
- Herz und GehirnSelten Schlaganfall, Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzschwäche und Herzstillstand.
- AbhängigkeitLängere Einnahme kann zu Gewöhnung und Abhängigkeit führen.
- PsychePsychosen, Depressionen und Unruhe gehörten zu den häufigsten Meldungen.
- BlutbildSehr selten Störungen der Blutbildung.
Der Lungenhochdruck ist das eigentliche Schreckgespenst. Er beginnt schleichend mit Luftnot bei Belastung, die man leicht dem Übergewicht zuschreibt. Laut Fachinformation identifizierte eine epidemiologische Studie Appetitzügler als Risikofaktor, und das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme. Genau deshalb war die Drei-Monats-Grenze so wichtig, und genau deshalb war ihre Missachtung so gefährlich.
Tabu war Tenuate unter anderem bei … Lungenhochdruck, schwerem Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- oder Gefäßerkrankungen im Gehirn, psychischen Erkrankungen einschließlich Magersucht und Depression, Neigung zu Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Schilddrüsenüberfunktion, Engwinkelglaukom und in Kombination mit anderen Appetitzüglern. Diese Liste gilt für jede Tablette, die heute noch irgendwo auftaucht.
Warum heute noch alle nach Tenuate suchen
Tenuate war für viele die Pille, die funktioniert hat. Wer damit einmal in vier Wochen sichtbar abgenommen hat, erinnert sich daran, nicht an das Herzklopfen. Deshalb wird der Name bis heute gegoogelt, und deshalb tauchen im Netz Angebote auf, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte.
Was im Netz als Tenuate verkauft wird: In der EU gibt es keine Zulassung mehr, keine Apotheke darf es abgeben, kein Arzt darf es hier verordnen. Was trotzdem angeboten wird, ist im besten Fall längst abgelaufene Altware und im schlechtesten Fall eine Fälschung mit unbekanntem Inhalt. Bei einem Wirkstoff, der direkt auf Herz und Kreislauf geht, ist das kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.
Dass Diethylpropion in den USA noch verschrieben wird, ändert daran nichts. Auch dort ist es nur für die kurze Anwendung gedacht und als kontrollierte Substanz eingestuft. Wer Tenuate auf einer Website bestellt, umgeht genau die ärztliche Prüfung, die bei diesem Mittel schon früher gefehlt hat. Mehr dazu, warum es legal keine Bezugsquelle mehr gibt, steht unter Wo gibt es Tenuate.
Gefälschte Schlankmacher sind kein Einzelfall. Die US-Arzneimittelbehörde FDA listet weit über hundert Abnehmprodukte mit versteckten Arzneistoffen, viele davon als natürlich oder pflanzlich beworben. Wie so etwas bei einem anderen verschwundenen Appetitzügler aussieht, zeigt die Geschichte von Sibutramin. Dasselbe Problem betrifft heute auch die modernen Spritzen, wie du unter Abnehmspritze Fälschungen nachlesen kannst.
Damals vs. heute
Tenuate gehörte zu einer ganzen Generation von Appetitzüglern, die alle nach demselben Muster gebaut waren. Von Phentermin über Cathin bis zu Amfepramon, alle griffen ins Nervensystem. Die heutigen Medikamente setzen an einer völlig anderen Stelle an.
| Tenuate Retard damals | GLP-1-Medikamente heute | |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Aufputschmittel, Noradrenalin hoch | Sättigungshormon, Magen entleert langsamer |
| Anwendungsdauer | Höchstens drei Monate | Für die Langzeittherapie zugelassen |
| Gewichtsverlust in Studien | Rund 10 % in einer kleinen Studie über 6 Monate | Rund 15 % mit Semaglutid, rund 20 % mit Tirzepatid |
| Größte Risiken | Lungenhochdruck, Herz, Abhängigkeit | Magen-Darm-Beschwerden, selten Gallen- und Bauchspeicheldrüsenprobleme |
| Abhängigkeit | Möglich | Kein Suchtpotenzial bekannt |
| Status | EU-weit widerrufen | Zugelassen, verschreibungspflichtig |
Wer früher auf Appetitzügler gesetzt hat, findet heute also deutlich stärkere Optionen, mit dem Unterschied, dass ein Arzt vorher genau hinschaut.
Was heute statt Tenuate hilft
Die gute Nachricht ist, dass Tenuate in eine Zeit verschwand, in der es eine bessere Wirkstoffklasse gibt. GLP-1-Medikamente nehmen dir den Hunger nicht durch Aufputschen, sondern über die Signale, die dein Darm nach dem Essen ohnehin ans Gehirn schickt.
Sättigung statt Aufputschen
Tenuate hat dein Nervensystem in Alarm versetzt, damit Hunger zur Nebensache wird. GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro ahmen ein körpereigenes Sättigungshormon nach. Der Magen entleert sich langsamer, du bist früher satt, und der Heißhunger wird leiser. In der Studie STEP 1 verloren Teilnehmer mit Semaglutid 2,4 mg im Schnitt rund 15 Prozent ihres Gewichts, in SURMOUNT-1 mit Tirzepatid rund 20 Prozent.
- Kein Stimulans. Puls und Psyche werden nicht hochgejagt, Suchtpotenzial ist nicht bekannt.
- Für die Dauer gedacht. Keine Drei-Monats-Grenze, nach der der Hunger zurückkommt.
- Disziplin wird vermittelt. Du brauchst sie trotzdem, aber die Gewohnheit entsteht, während der Hunger gedämpft ist. Kleine Portionen werden normal.
- Nebenwirkungen gibt es auch hier. Vor allem Übelkeit und Verstopfung, Details unter Abnehmspritzen Nebenwirkungen.
Die Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ein Arzt prüft, ob sie für dich infrage kommen, in der Regel ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Alles Weitere unter Abnehmspritzen und, falls du lieber eine Tablette nimmst, unter Abnehmtabletten.
Wer wegen Herzproblemen früher kein Amfepramon nehmen durfte, hat heute auch andere Wege. Orlistat wirkt nur im Darm, Mysimba setzt am Belohnungssystem an. Welches Mittel passt, entscheidet der Arzt. Den Weg ohne Medikament beschreibe ich in meiner Abnehm-Anleitung, so habe ich selbst 40 Kilo verloren.
Fazit: Taugt Tenuate heute noch was?
Nein. Tenuate Retard hat in den ersten Wochen den Hunger gedämpft, mehr war nie belegt. Der Preis dafür waren Herzrasen, Unruhe, ein seltenes, aber tödliches Risiko für Lungenhochdruck und ein Abhängigkeitspotenzial, das sich in Verordnungen über Jahre und Jahrzehnte zeigte. Nach einem ersten gescheiterten Anlauf im Jahr 2000 hat die EU 2023 endgültig Schluss gemacht, und das zu Recht.
Kurzfristig wirksam, aber für die Dauer nie geeignet und am Ende zu riskant. Heute legal nicht mehr zu bekommen, was im Netz kursiert, ist ein Glücksspiel. Wer Hilfe beim Abnehmen braucht, ist mit ärztlich verordneten GLP-1-Mitteln deutlich besser bedient.
Ein ärztlich verschriebenes GLP-1-Medikament dämpft den Appetit ohne Aufputschmittel. Seriöse Anbieter mit ärztlicher Prüfung im Anbieter-Vergleich.
Häufige Fragen zu Tenuate Retard
Gibt es Tenuate Retard noch?
Nein. Der Hersteller hat zum 1. Dezember 2022 auf die Zulassung verzichtet und alle Chargen zurückgerufen, am 13. Januar 2023 hat die EU-Kommission alle Amfepramon-Zulassungen widerrufen.
Wo kann man Tenuate kaufen?
Legal nirgends in der EU. Angebote im Netz sind abgelaufene Altware oder Fälschungen mit unbekanntem Inhalt. Mehr unter Wo gibt es Tenuate.
Was ist der Unterschied zwischen Tenuate und Regenon?
Beide enthielten Amfepramon. Tenuate Retard gab den Wirkstoff verzögert ab, Regenon war ein schneller wirkendes Präparat. Beide sind seit Dezember 2022 vom Markt.
Warum wurde Tenuate verboten?
Weil es weit über die erlaubten drei Monate und trotz Gegenanzeigen verordnet wurde. Damit stiegen die Risiken für Lungenhochdruck, Herz-Kreislauf-Schäden und Abhängigkeit, während die Wirkung auf das Gewicht begrenzt war.
Wie viel hat man mit Tenuate abgenommen?
In einer kleinen Studie mit 69 Teilnehmern verloren die Patienten mit Amfepramon und Diät in sechs Monaten im Schnitt 9,8 Prozent, mit Placebo und Diät 3,2 Prozent. Wie dauerhaft das hielt, wurde kaum untersucht.
- Amfepramone-containing medicinal products, Article 31 referral – Europäische Arzneimittel-Agentur
ema.europa.eu - Amfepramone, safety review and EU Commission implementing decision – BfArM
bfarm.de - Appetitzügler Amfepramon geht vom Markt – Pharmazeutische Zeitung
pharmazeutische-zeitung.de - Rückruf Tenuate Retard, alle Chargen (17.11.2022) – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
akdae.de - Fachinformation Tenuate Retard – Artegodan GmbH
fachinfo.de - Amfepramon, Off-Label-Therapie bis zu 20 Jahre lang – apotheke adhoc
apotheke-adhoc.de - Baldiges Aus für Appetitzügler Amfepramon – PTAheute
ptaheute.de - Extraordinary meeting to finalise review of anorectic agents (1999) – EMA
ema.europa.eu - Urteil in den Rechtssachen Artegodan u. a. gegen Kommission, 26.11.2002 – Gerichtshof der EU
curia.europa.eu - Appetithemmer verboten (2001) – Stiftung Warentest
test.de - A randomized double-blind placebo-controlled study of the long-term efficacy and safety of diethylpropion – International Journal of Obesity 2009
nature.com - Tainted Weight Loss Products – U.S. Food and Drug Administration
fda.gov - Diethylpropion – LiverTox, National Institutes of Health
ncbi.nlm.nih.gov - Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1) – New England Journal of Medicine 2021
nejm.org - Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1) – New England Journal of Medicine 2022
nejm.org